10 May 2026, 14:29

Zwei Theaterlegenden, zwei Wege: Wie Happel und Nocker Wien prägen

Plakat für das Theatre Sarah Bernhardt von 1909-1910, das eine Gruppe von Frauen in der Mitte zeigt, umgeben von Text, der das Theater und seine Schauspieler beschreibt.

Zwei Theaterlegenden, zwei Wege: Wie Happel und Nocker Wien prägen

Zwei renommierte österreichische Theaterregisseurinnen, Maria Happel und Paula Nocker, haben über ihre gegensätzlichen Arbeitsweisen und ihren Umgang mit Kritik gesprochen. Beide bereiten derzeit große Produktionen in Wien vor: Happel inszeniert Der heilige Falstaff am Burgtheater, während Nocker Mythen des Alltags für das Volkstheater und das Wiener Festwochen-Projekt probt. Ihre langjährige Freundschaft – geprägt von Ehrlichkeit und gemeinsamer Geschichte – offenbart dabei sowohl berufliche als auch persönliche Unterschiede.

Ihr erster gemeinsamer Auftrag datiert aus dem Jahr 2010: Der Weg ins Freie, eine Produktion, für die sie als einziges Honorar ein Eis erhielten. Trotz dieses bescheidenen Beginns haben beide seitdem eine beeindruckende Karriere gemacht. Happel, die sich aktuell in den Endproben für Der heilige Falstaff befindet, bezeichnet sich selbst als Spielleiterin – eine Regieform, die Präzision und das Ensemble in den Mittelpunkt stellt. Nocker hingegen co-inszeniert Mythen des Alltags, eine Koproduktion des Volkstheaters mit den Wiener Festwochen.

Privat sind die beiden eng verbunden: Sie leben als Nachbarinnen, und ihre Töchter haben sogar Schlüssel zu den jeweiligen Wohnungen der anderen – wenn auch nicht immer im Gegenzug. Beruflich jedoch gehen sie unterschiedliche Wege. Während Happel mit negativer Kritik hadert und sich wünscht, dass alle ihre Arbeit mögen, schätzt Nocker respektvolle Auseinandersetzungen und unterstützt offen die #MeToo-Bewegung, da sie Fortschritt nur durch ständige Weiterentwicklung für möglich hält.

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Erst kürzlich verließ Happel ihre Position als Leiterin des Reinhardt-Seminars – ein Schritt, der sie aufgrund der gegen sie erhobenen Vorwürfe schmerzte. Zudem reflektierte sie über Erziehung und merkte an, dass Mütter zwar Kindern beibringen, ein „Nein“ zu akzeptieren, dies aber nicht zwangsläufig vor Fehlverhalten schützt. Beide Frauen schätzen die direkte Art der anderen, auch wenn sie manchmal anstrengend sein kann.

Mit den Premieren ihrer aktuellen Produktionen stehen Happel und Nocker nun vor dem nächsten großen Schritt. Ihre gemeinsame Vergangenheit und der gegenseitige Respekt zeigen, wie komplex Freundschaft in einer anspruchsvollen Branche sein kann. Der Erfolg ihrer Projekte wird ihren Ruf in der österreichischen Theaterszene weiter prägen.

Quelle