Vom Hochkultur-Tempel zum Lifestyle-Event: Wie Opernhäuser sich neu erfinden
Kunigunde SegebahnVom Hochkultur-Tempel zum Lifestyle-Event: Wie Opernhäuser sich neu erfinden
Opernhäuser verändern ihre Social-Media-Strategie – vom Kunstwerk zum Lifestyle-Produkt
Opernhäuser gehen neue Wege, wenn es um ihre Selbstdarstellung in den sozialen Medien geht. Immer mehr setzen auf Lifestyle-Inhalte statt auf die Kunstform selbst. Diese Verschiebung verändert, wie das Publikum die traditionelle Oper wahrnimmt.
Das Staatsoper Berlin zeigt auf Instagram häufig seine Sponsoren – allen voran BMW. Die Plattform wirkt oft mehr darauf bedacht, Unternehmenspartner zu bedienen, als die Musik in den Mittelpunkt zu stellen.
An der Wiener Staatsoper präsentieren die Moderatoren Hemma und Jakob das Haus mal als Spielwiese, mal als riesiges Diner. Sie werben mit Drinks, „cooler Musik“ und einem „tollen Rahmenprogramm“, um Zuschauer zu locken.
Ähnlich verfährt die Festspielhaus Baden-Baden: Auf Instagram wird klassische Musik mit „Spritz“ kombiniert, während die Moderatoren verkrampft wirken, um möglichst trendy rüberzukommen.
Ganz anders die Bayerische Staatsoper: Hier bleibt der Fokus auf der Musik. Die Beiträge handeln von Wagner, der Philosophie des Orchesters oder geben Einblicke hinter die Kulissen. Jonas Kaufmann zeigt sich in Kostümen, während Persönlichkeiten wie Vladimir Jurowski oder Tobias Kratzer Ideen ohne Schnickschnack diskutieren.
Junge Influencer propagieren unterdessen Dresscodes, Drinks und „Überlebenstipps“ für den Opernbesuch. Die Kunstform wird so auf ein Konsum-Erlebnis reduziert – statt auf Reflexion oder Debatte kommt es auf Unterhaltung an.
Oper wird heute oft als Wohlfühl-Event mit Drinks und Ablenkung vermarktet. Einige Häuser halten zwar am künstlerischen Anspruch fest, doch viele setzen auf ein leichteres, kommerzielleres Image. Der Wandel spiegelt einen größeren Trend wider: wie Kunst heute einem modernen Publikum präsentiert wird.
