Staatsoper Stuttgart schockt mit radikaler Sancta-Premiere und 18 Notfällen
Friedl RädelStaatsoper Stuttgart schockt mit radikaler Sancta-Premiere und 18 Notfällen
Staatsoper Stuttgart wagt im Herbst eine kühne Neuinszenierung
Sancta, unter der Regie von Florentina Holzinger, wird das Publikum mit einer radikalen Auseinandersetzung mit Glauben, Geschlechterrollen und sakralen Ritualen herausfordern. Die Oper verbindet Paul Hindemiths umstrittene Sancta Susanna mit katholischer Liturgie – und verspricht provokante Bilder, von Nacktheit bis hin zu Körperaufhängungen.
Sancta entstand aus Holzingers Faszination für Performance-Kunst, insbesondere aus ihrer früheren Arbeit Ophelia's Got Talent. Das Stück deutet die heilige Messe als feministischen Akt der Aneignung um, in dem Frauen ihren Platz in der christlichen Geschichte einfordern. Die extremen Bilder – darunter Hautschnitte und Suspension – verweisen direkt auf Christi Wunden und Erlösung.
Die Premiere in Stuttgart löste heftige Reaktionen aus: Bei den ersten Vorstellungen wurden 18 medizinische Notfälle gemeldet. Dirigentin Marit Strindlund, engagiert von Intendant Viktor Schoner, beschrieb das Erlebnis als völlig anders als eine traditionelle Oper. Sie fand selbst in dem Chaos Humor und balancierte die rohe Energie der Aufführung mit Momenten der Leichtigkeit.
Holzingers Werk ist auch eine Korrektur zu Hindemiths Sancta Susanna, einer 1921 wegen Blasphemie verbotenen Oper. Während das Original zensiert wurde, sprengt diese Version alle Grenzen – eine Verschmelzung von Oper, Liturgie und schonungsloser Performance-Kunst. Die Vorstellungen finden am 3., 4. und 5. Oktober statt; die November-Termine sind bereits ausverkauft. Für Oktober sind noch Karten erhältlich.
Sancta markiert einen provokanten Wendepunkt im Spielplan der Staatsoper Stuttgart. Die Mischung aus sakraler Musik, feministischen Themen und extremer Körperlichkeit hat bereits starke Reaktionen ausgelöst. Mit den letzten verfügbaren Tickets für Oktober wird die Oper zweifellos einen bleibenden Eindruck beim Publikum und der Institution selbst hinterlassen.






