Solingen streitet über geplante ABC-Kurse für Kleinkinder ab 2028
Pläne zur Einführung von "ABC-Kursen" in Nordrhein-Westfalen haben in Solingen eine Debatte ausgelöst. Das neue Modell, das die Deutschkenntnisse von Kleinkindern fördern soll, ist für 2028 vorgesehen. Doch lokale Politiker und Bildungsexperten äußern Bedenken hinsichtlich der Umsetzbarkeit und der Auswirkungen auf bestehende Förderstrukturen.
Die Landesregierung brachte den Vorschlag im März 2026 ein und versprach eine vollständige Finanzierung der verpflichtenden Vorschul-Sprachkurse. Dennoch mehren sich kritische Stimmen zu möglichen Personalengpässen, pädagogischen Lücken und der Gefahr, dass die Routine der Kinder gestört wird.
Die ABC-Kurse zielen darauf ab, gezielte Sprachförderung für Kinder anzubieten, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben. Laut Plan sollen diejenigen, bei denen zusätzlicher Bedarf festgestellt wird, separate Förderstunden außerhalb ihrer regulären Kita-Betreuung besuchen. Das Land sichert die Übernahme aller Kosten zu, doch Gewerkschaften wie der VBE und die GEW warnen vor ungelösten Herausforderungen – darunter ein Mangel an qualifiziertem Personal und eine schlechte Abstimmung mit den Schulen.
In Solingen unterstützen zwar sowohl CDU als auch die Grünen das Ziel, die Sprachkompetenz zu verbessern, lehnen aber das aktuelle Konzept ab. Simone Lammert (CDU) argumentiert, das Modell berge die Gefahr, ein Parallelsystem zu schaffen, statt die bestehenden Kita-Strukturen zu stärken. Maja Wehrmann (Grüne) ergänzt, dass die Herausnahme der Kinder aus vertrauten Umfeldern ihren Lernerfolg beeinträchtigen und zu Stigmatisierung führen könnte.
Lokale Politiker verweisen zudem auf praktische Probleme. Jessica Schliewe (Grüne) betont, dass Sprachförderung am besten in vertrauten, alltäglichen Interaktionen innerhalb der Kitas gelinge. Gleichzeitig zeigen sich zentrale Akteure wie das Kommunale Integrationszentrum unsicher, wie die neuen Kurse in die bestehenden Systeme eingebunden werden sollen. Diese Unklarheiten verzögern die lokale Planung und führen zu Forderungen nach einer besseren Abstimmung zwischen Land und Kommunen.
Bundesweit hat bisher kein anderes Bundesland ein vergleichbares Modell eingeführt. Das Saarland testet seit April 2026 ein verpflichtendes Sprachförderprogramm, während andere Regionen unterschiedliche Ansätze verfolgen. Erfahrungen aus anderen Projekten zeigen jedoch, dass Probleme wie Personalmangel und die Notwendigkeit einer engeren Verzahnung von Kitas und Schulen weiterhin bestehen.
Die Pläne für die ABC-Kurse stoßen in Solingen auf wachsenden Widerstand. Kritiker fordern eine Überarbeitung des Konzepts. Lokale Verantwortliche bevorzugen eine Stärkung der bestehenden Kita-Förderung statt der Einführung eines separaten Systems. Ohne klarere Planung und bessere Abstimmung mit den Kommunen bleibt der Erfolg der Initiative ungewiss.
Die Diskussion dreht sich nun darum, ob das Land das Modell vor dem geplanten Start 2028 an die geäußerten Bedenken anpassen wird.






