Rosenmontagszüge 2024: Satire trifft auf Massenbegeisterung in Köln und Düsseldorf
Kunigunde SegebahnSo prächtig und politisch war der Karneval schon lange nicht mehr - Rosenmontagszüge 2024: Satire trifft auf Massenbegeisterung in Köln und Düsseldorf
Hunderttausende Feiernde haben die Straßen von Köln und Düsseldorf gefüllt, um an den Rosenmontagszügen teilzunehmen. Die Festlichkeiten markieren den Höhepunkt der rheinischen Karnevalssaison – eine Mischung aus ausgelassenen Straßenfesten und beißender politischer Satire. Die Menge skandierte in Köln "Alaaf!" und in Düsseldorf "Helau!", wobei der lokale Stolz deutlich wurde, während die Städte um die prächtigsten Darbietungen wetteiferten.
Die Umzüge präsentierten Dutzende aufwendig gestalteter Wagen, an deren Entwurf und Bau monatelang gearbeitet wurde. Geschickte Handwerker sorgten dafür, dass jeder Witz und jede Anspielung beim Publikum ankam. Die Themen dieses Jahres nahmen globale Führungspersönlichkeiten und Kontroversen schonungslos aufs Korn.
In Köln und Düsseldorf tauchte Wladimir Putin auf mehreren Wagen auf, darunter einer, auf dem er eine Drohne steuerte, die die AfD-Vorsitzende Alice Weidel mit der Aufschrift "Landesverräter" trug. Ein weiterer zeigte ihn, wie er einen Narren ersticht, während ein dritter ihn beim Verspeisen Europas gemeinsam mit Donald Trump darstellte. Auch der ehemalige US-Präsident wurde verspotten – ein Wagen zeigte sein Gesäß, bedeckt mit Küssen von Friedrich Merz, Emmanuel Macron und der NATO.
Die AfD wurde scharf kritisiert und als blaue Schlange dargestellt, die eine deutsche "Michel"-Figur mit den Worten "Mer dun et weil mer blauäugig sin" (Wir tun es, weil wir naiv sind) hypnotisiert. Friedrich Merz war in einer S&M-Szene mit dem SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil zu sehen, während das iranische Regime mit Bildern von Ali Chamenei, der Demonstranten verschlingt, und einem sich auflösenden Mullah attackiert wurde. Weitere Ziele der Satire waren Rüstungsgeschäfte, Grönlands geopolitische Rolle, künstliche Intelligenz, Koalitionsstreitigkeiten und sogar Jeffrey Epstein.
Auch die lokale Politik blieb nicht verschont. Kölns Umzug enthielt eine Hommage an den legendären Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly mit einem Transparent, auf dem "Mer all sin Tilly" (Wir sind alle Tilly) stand. Anders als Düsseldorf verzichtete Köln auf einen direkten Putin-Wagen und setzte stattdessen auf breitere Solidaritätsgesten.
Für viele ist der Besuch des Rosenmontagszugs ein geliebtes jährliches Ritual. Einige kommen als Mitglieder organisierter Karnevalsvereine, andere schließen sich spontan an – alle angezogen von der Mischung aus Tradition, Spektakel und furchtloser Satire.
Die Rosenmontagszüge 2024 haben einmal mehr ihren Platz als Mittelpunkt des rheinischen Karnevals gefestigt. Mit ihrer mutigen politischen Kommentierung und opulenten Gestaltung boten die Wagen sowohl Unterhaltung als auch Provokation. Die Veranstaltungen zogen riesige Menschenmengen an und unterstrichen damit die einzigartige Rolle des Karnevals als Verbindung aus Feierlaune und gesellschaftlicher Kritik.