RAW-Gelände in Friedrichshain: Kulturschatz oder Baustelle?
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes in Friedrichshain bleibt nach fast 11 Jahren Verhandlungen ungewiss. Der soziokulturelle Hotspot, bekannt für sein lebendiges Flair, steht vor einer möglichen Neubebauung, nachdem die Gespräche zwischen dem Bezirk und der Kurth Group gescheitert sind.
Die Kurth Group hatte das Gelände 2015 erworben. Seither ringt der Bezirk darum, Entwicklung und den Erhalt der subkulturellen Identität des Viertels in Einklang zu bringen.
2022 schien eine Einigung greifbar: Im Gegenzug für einen 100 Meter hohen Büroturm sollte das sogenannte „kulturelle L“ langfristig geschützt werden. Doch 2024 zog sich das Unternehmen zurück. Bis Mai desselben Jahres schien der Baubeginn unter dem bundesweiten „Beschleunigungsgesetz für den Wohnungsbau“ unmittelbar bevorzustehen – die Gruppe bestand darauf, noch vor Abschluss der Planung mit den Arbeiten zu beginnen.
Nun wirft die Kurth Group dem Bezirk vor, das jüngste Rahmenabkommen verletze frühere Vereinbarungen und begünstige einzig Berlins Interessen. Der Bezirk hingegen gibt zu, die weiteren Schritte des Unternehmens nicht absehen zu können. Nach Paragraph 34 des deutschen Bauplanungsrechts könnte das Gelände sogar ohne formellen Bebauungsplan überplant werden – mit der Folge, dass das RAW-Gelände Wohnraum weichen müsste.
Die Spannungen unter den Mietern wachsen. Einige, wie der Club Cassiopeia, wurden mündlich aufgefordert, bis Monatsende zu räumen – trotz gezahlter Miete. Andere vermuten, der Eigentümer spalte die Mieter gezielt, indem er manche Verträge kündigt, während er mit einer ausgewählten Minderheit neue Vereinbarungen trifft. Am Wochenende brodelte das Gelände vor Leben: Unter anderem wurde öffentlich das Fußballspiel zwischen Brasilien und Marokko übertragen.
Die Kurth Group hat das Planungsverfahren mittlerweile für endgültig gescheitert erklärt. Mehrere Projekte, darunter Cassiopeia, sollen in den kommenden Wochen die Räumlichkeiten verlassen. Mit dem Scheitern der Verhandlungen steht die langfristige Zukunft des RAW-Geländes erneut infrage.






