Milo Raus polarisierendes Theaterfestival: Rekordbesuch trotz sinkender Auslastung
Ivan SchachtMilo Raus polarisierendes Theaterfestival: Rekordbesuch trotz sinkender Auslastung
Das diesjährige Theaterfestival präsentierte unter der Leitung von Milo Rau mutige, aber polarisierende Inszenierungen. Die Veranstaltung lockte Rekordbesucherzahlen an, sah sich jedoch auch Kritik an sinkender Auslastung und uneinheitlichen künstlerischen Reaktionen ausgesetzt.
Milo Rau erklärte seine Produktion Republik der Götter kurzerhand zum „größten Stück aller Zeiten“. Die Inszenierung lief fünf Wochen lang und trug zu einer gemeldeten Besucherzahl von über 196.000 bei. Dennoch ist die Auslastung des Festivals während seiner Amtszeit kontinuierlich zurückgegangen.
Zu den Höhepunkten zählte Angélica Liddells Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben. Auch Thorsten Lensings Tanzende Idioten erntete breite Anerkennung. Florentina Holzingers Pfingstspiel hingegen bot ein spektakuläres Stunt-Schauspiel mit einem im Kreis driftenden BMW.
Nicht alle Produktionen überzeugten: Nestervals Adaption der Nibelungensage verblüffte kaum, und Susanne Kennedys Parsifal litt unter den erdrückenden Digital-Effekten von Markus Selg. Das tragische Schicksal der Sonata Nr. 2 erinnerte gar an einen trockenen Abendkurs-Vortrag.
Weitere Glanzlichter waren Gob Squads interaktives Turn, das sich mit Doppelgängern auseinandersetzte, sowie Brigitta Muntendorfs Der Tag davor – ein kraftvolles Manifest gegen Gewalt. Patti Smith bereicherte das Festival zudem mit besonderen Auftritten.
Das Festival zog große Menschenmassen an, offenbarten sich aber auch Spannungen zwischen Anspruch und Umsetzung. Manche Werke begeisterten, andere enttäuschten – ein durchwachsenes, doch unvergessliches Erbe. Trotz rückläufiger Auslastung bleiben die Besucherzahlen auf hohem Niveau.






