Manfred Vogelsänger: Vom Werbegenie zum experimentellen Kunstschöpfer
Ivan SchachtManfred Vogelsänger: Vom Werbegenie zum experimentellen Kunstschöpfer
Manfred Vogelsänger hat Jahrzehnte damit verbracht, Nachrichten zu schaffen, die Geschichten erzählen, Emotionen wecken und die globale Werbung prägen. Seine Arbeiten – von der Bild bis zum Film – wurden mit unzähligen Preisen ausgezeichnet und haben Kampagnen für Marken wie Camel, McDonald's und Adidas geprägt. Nach einer Karriere voller kommerzieller Erfolge widmet er sich nun experimentellen Kunstprojekten, die die Grenzen des Mediums sprengen.
Vogelsängers Laufbahn begann in den 1980er-Jahren, als er die Fotografie noch als handwerkliche Disziplin verstand. Seine Aufnahmen waren ambitioniert, oft riskant und stets akribisch geplant. Für ein Projekt ließ er eine ganze Landstraße neu pflastern, um Risse bei hohen Geschwindigkeiten zu vermeiden. Ein anderes Mal baute er für eine einzige Werbung der BHW Adac hohle Häuser mit echten Dachziegeln – digitale Tricks gab es damals nicht, nur Präzision, Wagnis und körperlichen Einsatz.
Seine Kreativität erstreckte sich auch auf Landschaften, die es nie gab. In Neuseeland färbte er Gras ein, pflanzte Weihnachtsbäume und formte das Gelände um, um eine idealisierte Vorstellung von Frische und Weite einzufangen. Diese inszenierten Szenen wurden ikonisch und festigten seinen Ruf, die Realität in etwas Außergewöhnliches zu verwandeln.
Nach Jahren in Düsseldorf und London arbeitet Vogelsänger heute aus Krefeld – in einer umgebauten Brotfabrik namens Im Brahm. Der Wechsel von der Werbefotografie zur freien Kunst ermöglichte es ihm, ohne Deadlines oder Kundenwünsche zu experimentieren. Kürzlich würdigte der Art Directors Club Deutschland (ADC) sein Lebenswerk und ehrte seinen Einfluss auf das visuelle Erzählhandwerk.
Heute arbeitet er mit flüssigen Fotoemulsionen, taucht Collagen ins Wasser und filmt die Ergebnisse mit Hochgeschwindigkeitskameras. Diese Techniken erzeugen unvorhersehbare, fließende Bilder – weit entfernt von seiner frühen Werbefotografie, doch verwurzelt in derselben unermüdlichen Neugier.
Vogelsängers Schaffen verbindet zwei Welten: die präzise, hochkarätige Werbung und die grenzenlose Erkundung der Kunst. Seine Methoden – ob konstruierte Fantasielandschaften oder aufgelöste Emulsionen – zeugen von einem lebenslangen Engagement, die Möglichkeiten der Fotografie neu zu definieren. Die ADC-Nominierung unterstreicht seinen anhaltenden Einfluss auf das Fach, während seine aktuellen Arbeiten Neuland betreten.