25 March 2026, 14:32

Kratzers mutige Schumann-Premiere an der Staatsoper Hamburg polarisiert mit Klimakrise und Rassismus

Offenes Buch mit dem Titel 'The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts' mit einer Seite mit Text und einem Logo.

Kratzers mutige Schumann-Premiere an der Staatsoper Hamburg polarisiert mit Klimakrise und Rassismus

An der Hamburger Staatsoper feierte Das Paradies und die Peri Premiere – Robert Schumanns Oratorium nach einer orientalischen Erzählung aus Thomas Moores Lalla Rookh

Unter der Leitung des neuen Intendanten Tobias Kratzer verknüpft die Inszenierung das Werk des 19. Jahrhunderts mit drängenden Themen der Gegenwart. Die Uraufführung am 14. Oktober 2025 löste starke Reaktionen aus: Buhrufe und begeisterter Applaus begleiteten Kratzers mutige Regieentscheidungen.

Das Oratorium erzählt von Peri, einem engelhaften Wesen auf der Suche nach einem Geschenk, das des Paradieses würdig ist. Kratzer und der Bühnenbildner Rainer Sellmaier deuteten die Geschichte neu – als Spiegel heutiger gesellschaftlicher Konflikte. In einer prägnanten Szene klettert die Sopranistin Vera-Lotte Boecker, die die Peri verkörpert, ins Publikum und setzt sich neben einen weinenden Mann – ein Symbol dafür, wie Mitgefühl die Tore zum Himmel öffnen könnte.

Der dritte Akt rückt die Klimakrise in den Fokus: Kinder spielen unter einer Plastikkuppel, während Industrieschlote Abgase ausstoßen – die mythische Erzählung wird so zur dringenden Umweltmahnung. Eine weitere eindringliche Szene zeigt einen sterbenden schwarzen Jugendlichen, der sich einem weißen Anführer widersetzet, bevor die Inszenierung in einem kollektiven Mord mit Bluteffekten gipfelt. Immer wieder durchbricht die Produktion die vierte Wand, flutet den Zuschauerraum mit Licht und zieht das Publikum so direkt ins Geschehen hinein.

Kratzers Vision geht über diese Premiere hinaus. Im Rahmen seiner Pläne, das Opernhaus zugänglicher zu gestalten, hat er neue Musiktheaterabende kuratiert, darunter kommende Uraufführungen wie Monster's Paradise und Frauenliebe und -sterben. Seine Zusammenarbeit mit dem Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber und dem Chor unterstreicht dieses Bekenntnis zu Innovation.

Die Premiere von Das Paradies und die Peri markiert eine bewusste Hinwendung zur zeitgenössischen Relevanz an der Hamburger Staatsoper. Kratzers Inszenierung – eine Mischung aus Klimaktivismus, rassischer Gerechtigkeit und immersivem Theater – polarisiert, entspricht aber seinem Ziel, die Hamburger Gesellschaft stärker einzubinden. Künftige Produktionen werden diesen Ansatz fortsetzen und die Rolle des Opernhauses im modernen Kulturdiskurs neu definieren.

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