28 June 2026, 14:22

Humboldt Forum: Zwischen kolonialer Last und kultureller Zukunftsvision

Humboldt Forum feiert 5. Geburtstag

Humboldt Forum: Zwischen kolonialer Last und kultureller Zukunftsvision

Das Humboldt Forum ist zum Kristallisationspunkt für Debatten über Kolonialismus, Restitution und aktuelle kulturelle Herausforderungen geworden. Seine Programme setzen sich regelmäßig mit Themen wie dem Schwinden demokratischer Strukturen, globaler Ungerechtigkeit und Bedrohungen der künstlerischen Freiheit auseinander. Doch trotz seines ehrgeizigen Anspruchs sieht sich die Institution weiterhin mit Kritik an ihrer Identität und ihrer Verbindung zur Stadt konfrontiert.

Seit seiner Eröffnung vor fünf Jahren ringt das Forum um seinen Platz. Kritiker beschreiben es als abgehoben – wie ein Gast, der auf einer Party unbeholfen verweilt und nicht recht ins Gespräch findet. Sein kulturelles Programm, zwar mutig, geht oft in den weiten, unpersönlichen Räumen des Gebäudes unter, in denen Rolltreppen und Betonlandschaften es den Besuchern erschweren, nach Veranstaltungen in einen Austausch zu treten.

Unter der kreuzgekrönten Kuppel beherbergt das Forum das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Es hat umstrittene Themen wie Raubkunst und koloniale Gewalt in die öffentliche Diskussion getragen und wirkt so als Katalysator für schwierige, aber notwendige Debatten. Im vergangenen Jahr zog es rund 634.000 Besucher an – ein Bruchteil der 13 Millionen des Louvre.

Die Finanzierung des Projekts stammte von vermögenden rechtskonservativen Spendern, die das preußische Erbe in Berlins Mitte wiederaufleben lassen wollten. Manche werfen dem Forum vor, zu sehr in kolonialen Traditionen verhaftet zu bleiben – eher ein Palast als ein Ort für die Stadt. Seine kulturellen Angebote, wie Sarah Ama Duahs Performance „to build to bury to remember“, stellen traditionelle Perspektiven infrage, indem sie Objekte als autonom präsentieren und damit den kolonialen Blick herausfordern.

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Zu den anstehenden Veranstaltungen gehört eine Diskussion über einen Fluss im Süden Brasiliens, der unter einem Einkaufszentrum verschwand, um später als Denkmal in den Mauern des Forums wieder aufzutauchen.

Das Humboldt Forum bleibt ein Projekt im Werden, das seine großen Ambitionen mit anhaltender Kritik in Einklang bringen muss. Seine Rolle als Impulsgeber für Debatten ist unbestritten, doch ob es bei der Bevölkerung und der Stadt, in der es steht, wirklich ankommt, ist noch offen. Die Besucherzahlen und die weiteren Diskussionen werden wohl seine künftige Ausrichtung prägen.

Quelle