Giftige Weichmacher in 92 Prozent aller Kinder-Urinproben nachgewiesen
Ivan SchachtUmweltbehörde: Schädliche Substanz in Urin von fast allen Kindern gefunden - Giftige Weichmacher in 92 Prozent aller Kinder-Urinproben nachgewiesen
In den Urinproben von nahezu allen getesteten Kindern und Jugendlichen in Deutschland wurde 2025 ein gesundheitsschädlicher Weichmacher nachgewiesen. Die Chemikalie, die mit verunreinigten Sonnencremes in Verbindung gebracht wird, ließ sich in 92 Prozent der Proben nachweisen. Bereits zwei Jahre zuvor hatten Behörden erste Bedenken hinsichtlich des Stoffs geäußert.
2023 hatte das Umweltbundesamt (UBA) in Urinproben Spuren von MnHexP entdeckt – ein Abbauprodukt des inzwischen verbotenen Weichmachers DnHexP. Als Quelle wurden kontaminierte Sonnenschutzmittel ausgemacht. Im Jahr 2024 bestätigten weitere Tests den Nachweis des Giftstoffs im Urin von Vorschulkindern; sowohl das UBA als auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen veröffentlichten entsprechende Befunde.
Das Problem hielt auch 2025 an: Bei 92 Prozent der Urinproben von Jugendlichen wurde MnHexP festgestellt. Zwei Probanden wiesen sogar Werte oberhalb des UBA-Grenzwerts von 60 Mikrogramm pro Liter auf – konkret 83 bzw. 107 Mikrogramm. Der Metabolit war bereits in archivierten Proben aus den Jahren 2017/18 und 2020/21 nachweisbar, doch seine Verbreitung nahm im Laufe der Zeit zu.
Trotz der Risiken treten strengere EU-Grenzwerte für DnHexP in Sonnencremes erst im Januar 2027 in Kraft. Viele Kosmetikhersteller sind inzwischen auf eine kontrollierte Variante des UV-Filters DHHB umgestiegen, die als frei von DnHexP zertifiziert ist. Dennoch überschreitet die Belastung von Kindern mit reproduktionstoxischen Substanzen häufig die als sicher geltenden Aufnahmemengen.
Die Daten von 2025 belegen eine flächendeckende Exposition von Jugendlichen mit MnHexP – trotz der Anpassungen in der Industrie. Verschärfte Regulierungen stehen zwar bevor, doch die Anwesenheit der Chemikalie in Sonnenschutzmitteln bleibt problematisch. Die Behörden überwachen weiterhin die Belastungswerte bei Kindern und Jugendlichen.