13 March 2026, 16:59

Erzbistum Paderborn vertieft Missbrauchsaufarbeitung – Fokus auf Kardinal Degenhardt

Ein Buch, das Bilder der Inneneinrichtung der katholischen Kirche, Kunstgegenstände und Texte enthält, die ihre Geschichte und Bedeutung beschreiben.

Bischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Erzbistum Paderborn vertieft Missbrauchsaufarbeitung – Fokus auf Kardinal Degenhardt

Das Erzbistum Paderborn hat zugesagt, seine Untersuchungen zu historischen Fällen sexuellen Missbrauchs zu vertiefen – mit besonderem Fokus auf die Rolle des verstorbenen Kardinals Johannes Joachim Degenhardt. Dieser Schritt folgt auf eine Studie aus dem Jahr 2023, die 489 Missbrauchsfälle zwischen 1941 und 2002 aufdeckte, an denen 210 Beschuldigte innerhalb des Bistums beteiligt waren. Bischof Udo Markus Bentz hat sich inzwischen bei den Opfern entschuldigt und die Ergebnisse als Beleg für ein institutionelles Versagen bezeichnet.

Der Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche war erstmals 2010 ans Licht gekommen. Seither arbeiten Bistümer bundesweit an der Aufarbeitung. In Paderborn hat das Erzbistum Schritte in Richtung Transparenz unternommen, darunter die öffentliche Anerkennung der Rolle der Kardinäle Degenhardt und seines Vorgängers Lorenz Jaeger bei der Vertuschung von Missbrauch.

Eine 2023 veröffentlichte Studie zeigte das Ausmaß des Problems: 489 Opfer und 210 Täter über sechs Jahrzehnte hinweg. Bischof Bentz sprach von einem systemischen Versagen. Das Bistum hat seitdem Reformen eingeleitet, darunter Meldepflichten und unabhängige Kontrollgremien, die 2024 eingerichtet wurden. Zudem wurde ein Entschädigungsfonds eingerichtet, aus dem bis zu dieser Woche 93 Millionen Euro an Überlebende ausgezahlt wurden.

Opferverbände reagieren zurückhaltend. Reinhold Harnisch, Sprecher des Betroffenenverbandes, begrüßte zwar Bentz' Entschuldigung, forderte aber weitere Konsequenzen. Er unterstützte die Umbenennung von Straßen, die nach Jaeger und Degenhardt benannt sind, und verwies auf deren angebliche Beteiligung an Vertuschungen. Unterdessen betonte Thomas Wendland, der Missbrauchsbeauftragte des Bistums, dass eine jüngste Äußerung zu Degenhardt nicht im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Studie stehe.

Das Erzbistum Paderborn hat sich verpflichtet, die unabhängigen Ermittlungen fortzusetzen – mit besonderem Augenmerk auf Degenhardts Handeln. Strukturveränderungen wie Opferrundtische und strengere Meldeverfahren sind bereits umgesetzt. Entschädigungszahlungen und öffentliche Anerkennung zeigen die anhaltenden Bemühungen, den Missbrauch und seine Folgen aufzuarbeiten.

Quelle