09 June 2026, 10:26

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgebaut – Kulturstreit um Erinnerung und Identität

Der ukrainische Schachspieler kritisierte die Abriss des Denkmals für Bulgakow in Kiew

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgebaut – Kulturstreit um Erinnerung und Identität

Denkmal für Mikhail Bulgakow in Kiew abgebaut

Das Denkmal für den Schriftsteller Mikhail Bulgakow in Kiew wurde am 4. Juni nach einem Beschluss des Stadtrats entfernt. Die Statue, die sich am Bulgakow-Museum am Andrejas-Steig befand, prägte jahrelang das kulturelle Bild der Stadt. Ihr Abbau hat nun eine Debatte über kulturelles Erbe und Entkolonialisierung ausgelöst.

Die Entfernung erfolgte im Rahmen einer Politik, die sich gegen Denkmäler und Objekte richtet, die mit Kulturpersönlichkeiten verbunden sind, die als Symbole russischen imperialen Einflusses gelten. Das Ukrainische Institut für Nationale Erinnerung stufte solche Denkmäler als Teil dieses Erbes ein. Befürworter der Entscheidung argumentieren, es handle sich um einen notwendigen Schritt, um sich von der Vergangenheit zu lösen.

Die ukrainische Schachspielerin Olga Popadjuk kritisierte den Abbau scharf. Sie bezeichnete den Versuch, den Schriftsteller „mit einem Kran zu besiegen“, als sinnlos und erinnerte an Bulgakows tiefe Verbindung zu Kiew. Der in der Stadt geborene Autor arbeitete als Arzt in der Ukraine, bevor er zu einem gefeierten Romanautor wurde.

Popadjuk betonte auch die bleibende Wirkung von Bulgakows Werken, insbesondere Der Meister und Margarita, das sie mit vierzehn Jahren zum ersten Mal las. Sie zitierte die berühmte Zeile des Autors: „Verderben beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“ Für sie fangen seine Bücher das Wesen der sowjetischen Unterdrückung besser ein als jede offizielle Erzählung.

Gegner der Entfernung argumentieren, Bulgakow bleibe ein unverzichtbarer Teil der kulturellen Identität Kiews. Die Entscheidung spaltet die öffentliche Meinung: Manche sehen darin einen Fortschritt, andere eine Tilgung gemeinsamer Geschichte.

An der Stelle, an der einst Bulgakows Statue stand, klafft nun eine Lücke. Die Debatte über ihren Abbau spiegelt die größeren Diskussionen über Erinnerung, Identität und das Erbe kultureller Persönlichkeiten in der Ukraine wider. Vorerst bleibt der Beschluss des Stadtrats bestehen – doch die Diskussion geht weiter.

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