BP kämpft um die Wende: Raffinerieverkauf und Ölpreis-Hoch sollen Kurssturz stoppen
Kunigunde SegebahnBP kämpft um die Wende: Raffinerieverkauf und Ölpreis-Hoch sollen Kurssturz stoppen
BP durchlebt stürmische Jahre: Marktwert schrumpft, während Konkurrenten wachsen
In den vergangenen Jahren hatte der britische Ölmulti BP mit Turbulenzen zu kämpfen, während sein Marktwert schrumpfte und die Konkurrenz an Boden gewann. Seit Anfang 2024 sind die Aktien des Unternehmens um 15 bis 20 Prozent gefallen – ein Rückstand gegenüber ExxonMobil und Shell. Nun könnten steigende Ölpreise und der Verkauf einer großen Raffinerie die Strategie des Konzerns neu ausrichten.
Zu den jüngsten Schritten gehören der Verkauf des deutschen Standorts sowie drastische Kostensenkungen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Die Probleme von BP begannen 2024, als schwächere Raffineriegewinne und ein zögerlicher Umstieg auf erneuerbare Energien die Performance belasteten. Bis Anfang 2026 war der Aktienkurs weiter gesunken, während Konkurrenten wie ExxonMobil um 25 bis 30 Prozent und Shell um 10 bis 15 Prozent zulegten. Der Marktwert des Unternehmens brach ein, was eine Neuausrichtung der Geschäftsaktivitäten erzwang.
Als Reaktion verkauft BP nun seine Raffinerie in Gelsenkirchen an die Klesch Group. Die Transaktion umfasst ein Werk mit einer Jahreskapazität von 12 Millionen Tonnen und betrifft 1.800 Mitarbeiter. Durch den Deal könnten die Verbindlichkeiten des Konzerns um bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar sinken. Analysten der HSBC reagierten mit einer Hochstufung der BP-Aktie von "Reduzieren" auf "Halten" und erhöhten das Kursziel auf 45,30 US-Dollar.
Gleichzeitig sind die Ölpreise gestiegen: Die Nordsee-Sorte Brent erreichte 112 US-Dollar pro Barrel, ausgelöst durch Blockaden in der Straße von Hormus. Die US-Regierung entlastete die Lieferketten, indem sie eine 60-tägige Ausnahmegenehmigung für den Jones Act erteilte. BP selbst treibt unterdessen interne Umstrukturierungen voran und hat sein Sparziel auf 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar bis 2027 angehoben – etwa 30 Prozent der Ausgaben von 2023.
Darüber hinaus plant der Konzern, bis 2027 Vermögenswerte im Wert von 20 Milliarden US-Dollar zu veräußern, wobei bereits über 11 Milliarden gesichert sind. Dennoch bleiben die Arbeitsbeziehungen angespannt: Nach gescheiterten Tarifverhandlungen sperrte BP rund 800 Gewerkschaftsmitglieder der Whiting-Raffinerie in Indiana aus.
Trotz der Herausforderungen hat sich die BP-Aktie erholt und schloss am Freitag bei 6,45 Euro – ein Plus von 27 Prozent seit Jahresbeginn.
Mit dem Raffinerieverkauf und den Kostensenkungen will BP seine Finanzen in einem volatilen Ölmarkt stabilisieren. Zwar hat sich der Aktienkurs zuletzt erholt, doch Arbeitskonflikte und Desinvestitionsziele werden die nächsten Schritte des Konzerns prägen. Angesichts hoher Ölpreise und laufender Restrukturierungen hängt BP's Zukunft davon ab, Effizienz und Branchen Druck in Einklang zu bringen.






