Banaszaks "Männerpolitik" spaltet die Grünen: Debatte über Privilegien und Ressourcen
Kunigunde SegebahnBanaszaks "Männerpolitik" spaltet die Grünen: Debatte über Privilegien und Ressourcen
Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, hat mit seinem Vorstoß für eine „Männerpolitik“ innerhalb der Partei eine Debatte ausgelöst. Sein Ansatz, der auch eine kritische Hinterfragungen traditioneller Männlichkeitsbilder umfasst, stößt sowohl auf Zustimmung als auch auf Kritik. Einige Frauen in der Partei befürchten, dass eine stärkere Fokussierung auf Männerfragen Ressourcen von Frauenprojekten abziehen könnte.
Die Diskussion gewinnt an Brisanz, da sich junge männliche Wähler zunehmend der rechten Szene zuwenden, während ihre Altersgenossinnen eher linksliberale Parteien bevorzugen. Banaszaks jüngste Äußerungen und Social-Media-Beiträge haben die Debatte über Geschlechterrollen und politische Prioritäten weiter angeheizt.
Erstmals wandte sich Banaszak in einem Playboy-Interview direkt an junge Männer und forderte sie auf, ihre Privilegien zu reflektieren und ihr Verhalten zu hinterfragen. Später gab er zu, dass ein Social-Media-Post über Schamgefühle bei Männern bewusst provokant formuliert war. Sein Ziel, so betonte er, sei es, Männer zur Selbstkritik anzuregen, statt sie pauschal für gesellschaftliche Probleme verantwortlich zu machen.
Seine Haltung knüpft an ein Grünes-Manifest aus dem Jahr 2010 mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich“ an, das von 21 Politikern unterzeichnet wurde. Banaszak argumentiert, dass starre Geschlechterrollen sowohl Männer als auch Frauen schaden und dass Männer Feminismus aktiv unterstützen sollten. Seine in Pink gestrichenen Bürowände sind inzwischen Gesprächsstoff – kürzlich verspottete ein Welt-Kolumnist seine Entscheidungen als „irgendwie befremdlich“.
Die Debatte ist nicht neu. Schon vor 20 Jahren trug Torhüter Tim Wiese Pink auf dem Platz, ohne dass seine Männlichkeit ernsthaft infrage gestellt wurde. Doch heute bleiben Diskussionen über Männerrollen umstritten. Unterdessen sorgte der AfD-Politiker Maximilian Krah vor der Europawahl 2024 mit dem Rat an junge Männer, die Probleme bei der Partnersuche hätten, sie sollten „nach rechts“ tendieren, für Aufsehen.
Auf einer jüngsten Sitzung des Bundesfrauenrats äußerten einige Mitglieder Bedenken. Sie fürchten, dass Banaszaks Fokus auf Männerfragen Aufmerksamkeit und Mittel von Frauenprogrammen abziehen könnte. Die Spannungen spiegeln einen größeren Graben wider: Bei der letzten Bundestagswahl wählten Männer unter 24 mehrheitlich die rechtspopulistische AfD, während Frauen derselben Altersgruppe sich für linksliberale Parteien entschieden.
Banaszaks Aufruf an Männer, sich selbstkritisch mit ihrer Rolle auseinanderzusetzen, hat die Diskussion über Geschlecht, Politik und Privilegien neu entfacht. Die Grünen stehen nun vor der Herausforderung, ihr langjähriges Engagement für Frauenrechte mit den neuen Bestrebungen, auch Männerfragen zu thematisieren, in Einklang zu bringen. Wie sie diese Gratwanderung meistern, könnte insbesondere junge männliche Wähler bei künftigen Wahlen beeinflussen.






