Bachmann-Preis 2024: Frauenjury würdigt mutige Literatur über Prekarität und Macht
Friedl RädelBachmann-Preis 2024: Frauenjury würdigt mutige Literatur über Prekarität und Macht
Der Bachmann-Preis wurde in diesem Jahr von einer siebenköpfigen Jury aus Frauen vergeben. Der Wettbewerb rückte Themen wie Prekarität, gesellschaftlichen Druck und wirtschaftliche Zwänge in der zeitgenössischen Literatur in den Mittelpunkt. Autorinnen und Kritikerinnen setzten sich in mutigen und provokanten Texten mit diesen Ideen auseinander.
Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan gab einer der wiederkehrenden Fragen der Veranstaltung einen Rahmen: Darin sitzt Gott auf der Anklagebank, von einem Richter beschuldigt. Doch nach der Wahrheit gesagt zu haben, wird er ohne Konsequenzen freigesprochen.
Während der Lesungen weigerte sich Slata Roschal nach ihrem Auftritt, der Jury ins Gesicht zu blicken. Sie kritisierte die literarische Establishment für seinen Umgang mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Ihr Text, der zwar Prekarität streifte, richtete sich vor allem gegen die inneren Mechanismen der Literaturwelt selbst.
Die Jury stellte fest, dass wirtschaftliche Hierarchien in vielen Einsendungen eine zentrale Rolle spielten. Geld definierte in den Geschichten oft Macht und Status. Burkhard Spinnen, eine einst prägende Stimme in literarischen Debatten, hatte einst gefordert, dass Kunst sich offen gegen gesellschaftliche und wirtschaftliche Zwänge stellen solle.
Mehrere herausragende Beiträge wurden ausgezeichnet: Schaette erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis sowie den Publikumspreis für Was wir tragen. Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde mit dem Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn geehrt. Kinga Tóth gewann den KELAG-Preis für ihre Darstellung eines „Ostblock-Mädchens“ und der täglichen Demütigungen, die sie erleidet.
Die Veranstaltung brachte scharfe Kritik an literarischen und wirtschaftlichen Strukturen an die Oberfläche. Autorinnen wie Roschal und Stimmen wie Spinnen hinterfragten Normen, während die Jury Werke würdigte, die soziale und finanzielle Ungleichheiten aufdeckten. Die Preise feierten Texte, die nicht nur thematisch, sondern auch in ihrer Wirkung Gewicht hatten.
