Apothekerkammer Nordrhein drohen Millionenklagen nach jahrelangem Kampf gegen DocMorris
Ivan SchachtApothekerkammer Nordrhein drohen Millionenklagen nach jahrelangem Kampf gegen DocMorris
Die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) kämpft seit über einem Jahrzehnt gegen die Rezeptbonus-Programme von DocMorris – doch nun drohen dem Verband selbst Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe. Der Fall liegt beim Oberlandesgericht Düsseldorf, das Urteil bleibt weiter ungewiss.
Ursprünglich hatte die AKNR die Aufgabe übernommen, Standards im Gesundheitswesen durchzusetzen – obwohl dies eigentlich nicht zu ihren Kernkompetenzen zählte. Systematisch ging sie gegen Preisdumper und Rezeptvermittler vor, sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Doch weil Bußgelder aus Angst vor Gegenklagen ausblieben, konnten Unternehmen wie DocMorris ihre Geschäfte ungehindert fortsetzen.
Die juristischen Auseinandersetzungen der Kammer führten dazu, dass einstweilige Verfügungen gegen DocMorris aufgehoben wurden. Nun könnte die AKNR selbst hohe Schadensersatzzahlungen leisten müssen. Fehlende Rückendeckung aus dem System schwächt ihre Position zusätzlich – trotz Fachwissen und Entschlossenheit.
Die Bundesregierung hingegen zeigt nur begrenzten Handlungswillen. Gesundheitsministerin Nina Warken kündigte zwar kürzlich an, einen einheitlichen Abgabepreis wieder einführen zu wollen, doch konkrete Umsetzungspläne fehlen. Der aktuelle Entwurf zur Apothekenreform sieht zwar eine geteilte Haftung für ungerechtfertigte Strafen zwischen Krankenkassen und Apothekern vor – doch neue Schlupflöcher und ausgesetzte Regelungen entziehen dem Gesundheitssystem weiterhin Mittel.
Nun liegt es am Düsseldorfer Gericht, über das Schicksal der langjährigen Kampagne der AKNR zu entscheiden. Fällt das Urteil zu ihren Ungunsten aus, könnten Millionen an Schadensersatz fällig werden. Die zögerlichen Reformen und anhaltende Untätigkeit der Politik haben bereits weitere Ausbeutung des Gesundheitssystems ermöglicht.
