AfD-Abgeordneter stellt 80-Jährige ein – Kritik an fragwürdigen Personalentscheidungen wächst
Kunigunde SegebahnAfD: Klaus Esser sollte keine Senioren mehr beschäftigen, die nicht arbeiten - AfD-Abgeordneter stellt 80-Jährige ein – Kritik an fragwürdigen Personalentscheidungen wächst
Der AfD-Landtagsabgeordnete Klaus Esser gerät wegen der Beschäftigung einer 80-jährigen Frau in seinem Büro in die Kritik. Der Fall reiht sich ein in eine wachsende Liste von Kontroversen um AfD-Politiker, die Familienmitglieder oder enge Vertraute anstellen. Kritiker hinterfragen, ob solche Personalentscheidungen angemessen – oder überhaupt rechtmäßig – sind.
Esser weist jeden Fehlverwurf von sich und argumentiert, er setze sich für eine stärkere Einbindung älterer Menschen in die politische Arbeit ein. Dennoch bleiben Bedenken hinsichtlich Transparenz und möglicher Interessenkonflikte bestehen.
Wie aktuelle Berichte zeigen, ist die 80-jährige Rosemarie Z. im Büro des AfD-Abgeordneten Klaus Esser in Nordrhein-Westfalen beschäftigt. Ihr hohes Alter wirft Zweifel an ihrer Eignung für die Tätigkeit auf. Beobachter weisen darauf hin, dass ihr Ehemann Werner Z. Parteiveranstaltungen oft früh verlässt, um sich um sie zu kümmern – was die Spekulationen über ihre Arbeitsfähigkeit weiter anheizt.
Das Ehepaar Z. gehört zu einem internen Netzwerk um Esser. Die Verbindungen Werner Z.s zum Politiker nähren den Verdacht, dass es bei der Anstellung weniger um die Erfüllung offizieller Pflichten als vielmehr um die Sicherung von Loyalität geht. Sowohl Rosemarie als auch Werner Z. lehnten auf Anfrage des Spiegel eine Stellungnahme ab.
Der Fall steht nicht allein da. In ganz Deutschland stellen AfD-Politiker wiederholt Verwandte oder Vertraute in ihren Büros ein. So haben Abgeordnete der AfD aus Sachsen-Anhalt im Bundestag Familienmitglieder beschäftigt, während der Parteivorsitzende Tino Chrupalla seit 2017 die Ehefrau eines sächsischen Landtagsabgeordneten angestellt hat. Ein weiterer AfD-Abgeordneter, Markus Frohnmaier, beschäftigt seine Frau im Büro eines Bundestagskollegen. Ulrich Siegmund, ebenfalls von der AfD, verschaffte seinem Vater eine gut dotierte Position im Bundestag.
Esser steht bereits unter rechtlichem Druck: Gegen ihn läuft ein Verfahren wegen eines möglichen Amtsverbots sowie gerichtliche Untersuchungen zu angeblichen Regelverstößen und gefälschten Referenzen. Unterdessen fordert die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel gesetzliche Reformen, um die Regeln für die Anstellung von Angehörigen in politischen Funktionen zu verschärfen. Sie räumte ein, dass das aktuelle System Missbrauch begünstige, wenn Abgeordnete Familienmitglieder oder enge Vertraute beschäftigten.
Die Debatte um die Anstellung von Rosemarie Z. wirft grundsätzliche Fragen zur Transparenz der Personalpolitik der AfD auf. Angesichts zahlreicher ähnlicher Fälle in ganz Deutschland wächst der Druck auf strengere Vorschriften. Während Essers juristische Probleme und die internen Netzwerke der Partei weiter unter der Lupe stehen, werden die Rufe nach Reformen immer lauter.