Wolfram Weimers vergessener Gedichtband „Kopfpilz“ schockt mit brutalen Texten aus den 80ern
Friedl RädelWolfram Weimers vergessener Gedichtband „Kopfpilz“ schockt mit brutalen Texten aus den 80ern
Ein längst vergessener Gedichtband des aktuellen Staatsministers für Kultur in Deutschland ist im Internet wiederaufgetaucht. "Kopfpilz" – auf Deutsch etwa "Hirnpilz" – wurde 1986 von Wolfram Weimer verfasst und enthält derbe, explizite Inhalte, die kaum mit seinen späteren konservativen Werken zu vereinbaren sind. Das Buch ist längst vergriffen, wenngleich noch vereinzelte Exemplare in Privatbesitz existieren könnten.
Die Existenz von "Kopfpilz" wurde im Mai bekannt, als der Journalist Knut Cordsen Details in den sozialen Medien teilte. Die Sammlung enthält Gedichte mit drastischen Themen, darunter ein Werk, das Sex und Gewalt in schonungsloser Sprache verbindet. Weimer selbst soll eingeräumt haben, die Texte seien "ganz sicher nicht publikationsreif" gewesen.
Das Cover zeigt drei schreiende Köpfe im Stil Edvard Munchs. Der Schreibstil im Inneren wirkt unausgeglichen – eher im Ton des Rammstein-Sängers Till Lindemann als des Romantikers Novalis. Ein krasser Gegensatz zu Weimers späteren intellektuellen Werken wie "Warum die Rückkehr der Religion eine gute Sache ist" oder dem "Konservativen Manifest". Die Podcast-Hosts Dax Werner und Moritz Hürtgen von "Bohniger Wachmacher" stießen später auf das Buch und lasen Auszüge daraus. Online-Recherchen fördern keine weiteren Spuren eines Achtzigerjahre-Poeten zutage, dessen frühes Schaffen Lindemann näherstand als Novalis. Eine abgeschlossene eBay-Auktion deutet darauf hin, dass nur noch wenige physische Exemplare im Umlauf sind.
Die Wiederentdeckung von "Kopfpilz" wirft ein Schlaglicht auf ein kaum bekanntes Kapitel in Weimers frühem Schaffensweg. Der rohe, provokante Stil des Bandes steht in scharfem Kontrast zu seiner heutigen öffentlichen Rolle. Aktuell sind weder offizielle Neuauflagen noch digitale Versionen erhältlich.






