Wolfram Weimer und Gott
Wolfram Weimer und Gott
Teaser: Kulturminister Weimer hat ein gottesfürchtiges Buch verfasst. Darin offenbart er sowohl missionarischen Eifer als auch eine bemerkenswerte Schlichtheit.
Wolfram Weimer, ehemaliger deutscher Kulturminister, hat mit seinem neuen Buch „Sehnsucht nach Gott“ für Aufsehen gesorgt. Im Münchner Verlag C.H. Beck erschienen, behauptet das Werk, das Christentum sei unverzichtbar für den Bestand des Staates, die Menschenrechte und selbst die Zukunft der Kinder. Kritiker jedoch zeigen sich wenig beeindruckt – weder vom Autor noch von seinen Thesen.
Das Buch hat eine Debatte entfacht: Während führende Zeitungen Weimers Behauptungen und seinen medialen Einfluss scharf angreifen, findet sich auf dem Berliner Weihnachtsmarkt kaum ein Anzeichen für die von ihm beschworene geistige Erneuerung – stattdessen dominieren Festtagsspeisen und vorweihnachtliches Gedränge.
In „Sehnsucht nach Gott“ entwirft Weimer eine kompromisslose Vision: Europas Niedergang sei das Werk von „Relativisten“, „kulturellen Masochisten“ und jenen, die er als „Religionszerstörer“ brandmarkt. Nur die Rückkehr Gottes, so seine Überzeugung, könne Deutschland und den Kontinent wieder in die Ordnung führen. Sein zentrales Argument: Gläubige seien glaubwürdiger als Atheisten – ein Beweis, den er als Bestätigung göttlicher Existenz deutet.
Die kühnen Thesen des Buches haben bei renommierten Medien Spott geerntet. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nannte Weimer einen „Schwätzer“, die Süddeutsche Zeitung bezeichnete sein Medienimperium als „Potemkinsches Dorf“. Die Kritik deutet darauf hin, dass sein Einfluss eher inszeniert als substanziel sein könnte. Vor diesem Hintergrund wirkt eine Szene vom Alexanderplatz in Berlin wie ein ironischer Kontrast: Der Autor eines begleitenden Artikels beschreibt das Fehlen jeder spirituellen Tiefe – keine „Türen oder Portale“ zu einer anderen Welt, nur Buden mit Würstchen, Krapfen und Glühwein. Einzig eine ferne Stimme, die „Quizás, quizás, quizás“ singt, erinnert an die samtene Stimme von Nat King Cole. Doch der Artikelverfasser verweist auf das Magnificat als Beleg dafür, dass eine andere Welt doch möglich ist – eine, in der Gerechtigkeit und Göttliches das irdische Leben durchdringen. Diese stille Beobachtung steht in scharfem Kontrast zu Weimers apokalyptischen Warnungen und seiner Behauptung, Europas Überleben hänge allein vom Glauben ab.
Weimers Buch spaltet die Meinungen: Die einen sehen darin eine mutige Verteidigung christlicher Werte, die anderen verwerfen es als alarmistische Rhetorik. Die Diskussion reicht weit über theologische Fragen hinaus – sie berührt Medienglaubwürdigkeit, kulturelle Identität und die Rolle der Religion in der modernen Staatsführung. Während die Debatte weitergeht, laufen Berlins Weihnachtsmärkte unbeeindruckt weiter – ohne jede Spur der geistigen Umwälzung, die Weimer prophezeit.






