Wie Sinalco einst gegen Coca-Cola kämpfte – und fast in Vergessenheit geriet
Friedl RädelWie Sinalco einst gegen Coca-Cola kämpfte – und fast in Vergessenheit geriet
Ein vor über einem Jahrhundert erfundenes Erfrischungsgetränk, das einst gegen Alkoholmissbrauch kämpfen sollte, hat eine bemerkenswerte Geschichte durchlebt. Franz Hartmann, ein junger Unternehmer aus Ostwestfalen, kreierte während der Belle Époque eine Zitruslimonade. Seine Erfindung, zunächst als Bilz-Brause bekannt, wurde später zu Sinalco – eine Marke, die einst mit Coca-Cola konkurrierte, aber stürmische Zeiten durchlebte.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts überschwemmte billiger Schnaps dank der Dampfdestillation den deutschen Markt. Die daraus resultierende Gewalt und zerrüttete Familien veranlassten Hartmann, eine alkoholfreie Alternative zu entwickeln. Mit Orangenschalen und Zitronen kreierte er ein erfrischendes Getränk, das zunächst Bilz-Brause hieß – benannt nach dem Naturheiler Eduard Bilz, der für die Nutzung seines Namens einen Anteil am Gewinn forderte.
1905 benannte Hartmann das Getränk in Sinalco um, eine Abkürzung für sine alcohol (ohne Alkohol). Es erlebte schnell weltweiten Erfolg und wurde zu einem Haushaltsnamen. Doch die Geschichte der Marke nahm während des Zweiten Weltkriegs eine düstere Wendung. Unter der NS-Herrschaft wurde Sinalco "arisiert", und nach dem Krieg durchlief es eine "Entnazifizierung". Trotz dieser Bemühungen hatte es gegen Coca-Colas überlegene Vermarktung und Vertriebsstrukturen kaum eine Chance.
Während des Krieges hatte der deutsche Coca-Cola-Direktor aus Restbeständen wie Molke und Apfeltrestern Fanta entwickelt. Sinalco hingegen geriet weiter in Vergessenheit. 1982 übernahm eine Schweizer Brauerei die Marke, stellte die Produktion jedoch 1987 ein. Nach mehreren Besitzerwechseln belebte RheinfelsQuellen Hövelmann die Marke wieder und bietet heute über zwanzig Geschmacksvarianten an. Sinalco hat nach wie vor eine treue, wenn auch kleine Fangemeinde – vor allem in Regionen, in denen Coca-Cola weniger dominant ist.
Auch Bilz-Brause feierte ein Comeback, und zwar als Bilz-Seele BioLimo, eine Bio-Limonade mit Retro-Charme, die vor allem städtische Hipster anspricht. Das Staatstheater Detmold brachte Sinalcos Geschichte sogar als Musical auf die Bühne: Glück ist eine Orange – wenn auch fanden Kritiker die Darstellung der NS-Vergangenheit der Marke wenig inspiriert.
Heute überlebt Sinalco als Kultgetränk, während Bilz-Brause unter neuem Namen eine junge Zielgruppe begeistert. Die Wiederbelebung beider Marken unterstreicht ihr bleibendes Erbe, auch wenn sie im Schatten globaler Giganten stehen. Ihre Geschichte spiegelt sowohl Innovation als auch die Herausforderungen wider, in einem von Coca-Cola dominierten Markt zu bestehen.






