Wie Deutschland seine Energiezukunft nach dem Gas-Schock neu erfindet
Friedl RädelWie Deutschland seine Energiezukunft nach dem Gas-Schock neu erfindet
Europas Gasmärkte haben seit der Drosselung der russischen Pipeline-Lieferungen 2022 tiefgreifende Veränderungen durchlaufen. Die Länder sind inzwischen stark von Flüssigerdgas (LNG) aus Norwegen, den Niederlanden, Belgien und den USA abhängig – mit der Folge, dass die Preise dauerhaft auf einem höheren Niveau verharren. Unterdessen bereitet Bundesrepublik Deutschland neue Maßnahmen vor, um seine Energiezukunft zu sichern, darunter einen Kapazitätsmarkt, der 2027 an den Start gehen soll.
Der Wegfall des russischen Gases zwang Europa, seine LNG-Importe rasant auszubauen und den Markt damit neu zu ordnen. Neue Terminals wie Golden Pass in den USA und LNG Canada haben das globale Angebot erhöht und tragen trotz Herausforderungen wie verpflichtenden Speichervorgaben zur Stabilisierung der Gasflüsse bei. Dennoch bleiben die Preise hoch: Prognosen gehen davon aus, dass der niederländische Referenzpreis TTF bis 2026 bei rund 28 Euro pro Megawattstunde liegen wird.
Deutschlands Reaktion umfasst ein Rahmenabkommen zwischen dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und der Europäischen Kommission. Diese Vereinbarung flankiert eine neue Kraftwerksstrategie, die das "Missing-Money"-Problem für Energieversorger und thermische Erzeuger angehen soll. Der geplante Kapazitätsmarkt zielt darauf ab, stabile Einnahmequellen zu schaffen und gleichzeitig die nationale Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Auf der E-world, Europas größter Energiefachmesse in Essen vom 10. bis 12. Februar 2023, werden Branchenexperten diese Entwicklungen diskutieren. Über 900 Akteure aus der Energie- und Wasserwirtschaft kommen zusammen, darunter Analysten wie Joel Hancock und Jean-Louis Malon, die Sonderberichte zu den Gasmärkten und dem deutschen Stromsektor vorstellen. Besucher können mit detaillierten Marktanalysen und Antworten auf drängende Fragen zur sich wandelnden Energielandschaft rechnen.
Für die kommenden Jahre sagen Fachleute einen Übergang zu einem überversorgten Markt bis 2026 voraus, mit sinkenden Preisen, während die Nachfragestimulierung in den Fokus rückt. Auch die Kosten für CO₂-Zertifikate (EUAs) dürften bis dahin im Schnitt bei 85 Euro pro Tonne liegen – ein Zeichen für den anhaltenden regulatorischen Druck.
Der europäische Gasmarkt passt sich weiterhin an das reduzierte russische Angebot an, wobei LNG-Importe und neue Infrastruktur eine zentrale Rolle spielen. Deutschlands Kapazitätsmarkt und Kraftwerksstrategie sollen langfristige Planungssicherheit für Versorger und Erzeuger schaffen. Die anstehende E-world bietet Branchenführern eine Plattform, um diese Entwicklungen vertieft zu erörtern.






