VfL Bochum verzichtet am Totensonntag auf Vereinshymne – warum das Spiel trotzdem stattfand
Kunigunde SegebahnVfL Bochum verzichtet am Totensonntag auf Vereinshymne – warum das Spiel trotzdem stattfand
VfL Bochum brach mit der Tradition und verzichtete auf das übliche Vorspiel-Lied
Vor dem Spiel am Sonntag spielte der VfL Bochum nicht wie gewohnt seine übliche Hymne vor Anpfiff ab. Die Entscheidung des Vereins folgte regionalen Vorschriften zum Totensonntag, einem Tag der stillen Besinnung in Deutschland. Das Spiel selbst fand statt – allerdings erst nach Aufhebung der rechtlichen Einschränkungen um 18 Uhr.
Deutschland beging am vergangenen Sonntag den Totensonntag, den evangelischen Buß- und Bettag. In Nordrhein-Westfalen ist an diesem Tag bis 18 Uhr jede Form der Unterhaltung – einschließlich Musik – verboten. Die U23-Mannschaft des VfL Bochum verzichtete daher auf ihre gewohnte Spielvorbereitung mit Vereinshymne vor dem Duell gegen den FC Gütersloh.
Anpfiff war punkt 18 Uhr, sobald die Beschränkungen aufgehoben waren. Diese Regelung ist Teil weitergehender deutscher Bemühungen, die Würde religiöser Feiertage zu wahren. So hat die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) seit 2015 über 750 Filme an Karfreitagen verboten, darunter „Das Leben des Brian“, „Police Academy“ und „Heidi in den Bergen“. Zwar setzt der Staat diese Maßnahmen durch, doch ihre Sinnhaftigkeit und Wirkung werden mitunter infrage gestellt. Das Verhältnis Deutschlands zur Religion bleibt vielschichtig: Kirchensteuern werden vom Finanzamt eingezogen, Geistliche haben Sitze in Rundfunkräten, und Kirchenglocken läuten regelmäßig.
Das Spiel des VfL Bochum verlief nach 18 Uhr ohne Probleme. Die Entscheidung des Vereins zeigte, wie regionale Gesetze öffentliche Veranstaltungen an religiösen Feiertagen prägen. Ähnliche Einschränkungen gelten auch für andere Spiele – ein Spiegel des anhaltenden Spannungsfelds zwischen Tradition und modernem Leben in Deutschland.






