Satiriker Jacques Tilly muss sich in Moskau vor Gericht verantworten – ohne zu erscheinen
Friedl RädelSatiriker Jacques Tilly muss sich in Moskau vor Gericht verantworten – ohne zu erscheinen
Der Düsseldorfer Bildhauer Jacques Tilly, bekannt für seine scharfe politische Satire, muss sich in Moskau vor Gericht verantworten. Russische Behörden werfen ihm die Verbreitung falscher Informationen über die russische Armee und die Anstachelung zu politischem Hass vor. Der Prozess soll am 24. Dezember beginnen, doch Tilly wird nicht erscheinen – er wurde nie offiziell über die Anklage informiert.
Seit Langem nutzt Tilly seine Kunst, um mächtige Persönlichkeiten zu verspotten, darunter den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Seine satirischen Darstellungen Putins haben wiederholt den Unmut Moskauer Beamter hervorgerufen. Nun verfolgt der Kreml Anklagepunkte, die im Falle einer möglichen Auslieferung eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren nach sich ziehen könnten.
Sein nächster Rosenmontagswagen, der am 16. Februar 2026 Premiere feiern soll, wird sich direkt mit dem Verfahren gegen ihn auseinandersetzen. Wie üblich bleibt das Design bis zur Präsentation streng geheim. Tilly, der sich oft in der Tradition des Hofnarren sieht, hat in der Vergangenheit mit seinen provokanten Werken Politiker, religiöse Führer und andere öffentliche Figuren auf die Schippe genommen. Die Verhandlung selbst soll am 30. Dezember um 9:30 Uhr Moskauer Zeit (7:30 Uhr MEZ) beginnen, nachdem der ursprüngliche Termin auf den 24. Dezember angesetzt war. Da Tilly nie offiziell über die Vorwürfe in Kenntnis gesetzt wurde, wird er zu keinem der Termine anwesend sein. Die russischen Gerichte werden das Verfahren in Abwesenheit durchführen, während der Künstler aus Deutschland reagieren muss.
Der Fall unterstreicht die Risiken, denen Künstler ausgesetzt sind, die mit ihrer Arbeit ausländische Regierungen herausfordern. Tillys kommender Wagen wird als seine öffentliche Antwort auf die Vorwürfe dienen. Unterdessen läuft der Prozess ohne ihn weiter – mit einem möglichen 15-jährigen Haftbefehl, der wie ein Damoklesschwert über den Verhandlungen schwebt.






