ÖPNV in NRW: Weniger Arbeitszeit bei vollem Lohn – doch wer zahlt die Rechnung?
Kunigunde SegebahnÖPNV in NRW: Weniger Arbeitszeit bei vollem Lohn – doch wer zahlt die Rechnung?
Beschäftigte im ÖPNV in Nordrhein-Westfalen durchsetzen neues Abkommen: Weniger Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich
Tarifbeschäftigte im öffentlichen Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen haben eine neue Vereinbarung erstritten, die die wöchentliche Arbeitszeit reduziert, ohne die Löhne zu kürzen. Zudem sieht der Tarifvertrag bessere Schutzrechte für kurzfristig Beschäftigte vor und erhöht die Zuschläge für Sonntagsarbeit. Langfristig könnten die Änderungen jedoch die Kosten für die Verkehrsbetriebe in die Höhe treiben.
Die Arbeitszeit wird schrittweise gesenkt: Ab Juli 2027 arbeiten die Mitarbeiter:innen 38,5 statt bisher 39 Stunden pro Woche, bis Juli 2028 folgt eine weitere Reduzierung auf 38 Stunden – bei vollem Lohnausgleich während der Übergangsphase.
Zudem wurden die gesetzlichen Ruhezeiten ausgeweitet, die Sonntagszuschläge steigen, und Leih- oder Zeitarbeitskräfte erhalten stärkere Absicherungen. Damit reagiert die Branche auf langjährige Forderungen nach mehr Arbeitsplatzsicherheit in einem oft prekären Sektor.
Doch die Verbesserungen haben ihren Preis: Um den Fahrplan aufrechtzuerhalten, könnten die Unternehmen zusätzliches Personal einstellen müssen, was die Personalkosten erhöht. Höhere Zuschläge und mehr freie Tage belasten die Bilanzen weiter. Zwar sind kurzfristig keine Ticketpreiserhöhungen geplant, doch mittelfristig könnten Fahrgäste mit höheren Tarifen belastet werden.
Unklar bleibt jedoch, wie die Mehrkosten gedeckt werden sollen. Noch wird diskutiert, ob Kommunen, Landes- und Bundesregierungen oder letztlich die Fahrgäste über höhere Ticketpreise die Rechnung tragen sollen. Eine endgültige Lösung für die Kostenverteilung steht noch aus.
Für die Beschäftigten bedeutet der Tarifabschluss einen wichtigen Schritt: bessere Arbeitsbedingungen und mehr Planungssicherheit. Doch die finanziellen Folgen für Unternehmen und Fahrgäste sind noch offen. Ohne klare Finanzierungskonzepte könnte der Druck steigen, entweder die Preise anzuheben oder staatliche Unterstützung einzufordern.






