NRW-Krankenhäuser kämpfen mit dramatischen Lücken in der Notfallvorsorge
Angelo ReuterNRW-Krankenhäuser kämpfen mit dramatischen Lücken in der Notfallvorsorge
Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen (NRW) weisen erhebliche Lücken in der Notfallvorsorge auf, wie ein neuer Bericht zeigt. Experten warnen, dass viele Einrichtungen nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, um im Krisenfall eine große Zahl von Verletzten zu versorgen. Die Sorgen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Behörden Eingeständnisse über Finanzierungsengpässe für dringend benötigte Modernisierungen machen.
Eine aktuelle Umfrage des WDR ergab, dass 40 von 53 Krankenhäusern in NRW über Notstromsysteme verfügen. Mehr als die Hälfte davon kann jedoch nur bis zu drei Tage betrieben werden. Das Bergmannsheil etwa verfügt über fünf Dieselgeneratoren mit Treibstoffreserven für 72 Stunden – ein in Deutschland verbreitetes Szenario. Doch viele Häuser kämpfen mit Platzmangel für größere Dieselvorräte und setzen stattdessen auf Just-in-Time-Lieferungen während Stromausfällen.
Auch die Wasserversorgung stellt ein großes Problem dar. Die meisten Krankenhäuser sind vollständig auf externe Anbieter angewiesen, nur jedes fünfte hält einen Vorrat an Flaschenwasser für eine Woche bereit. Medizinische Reserven geben ebenfalls Anlass zur Sorge: Während lebenswichtige Medikamente für zwei bis sechs Wochen gelagert werden, wären Blutkonserven in einer Notsituation schnell aufgebraucht.
Professor Boris Augurzky vom Institut für Gesundheitsökonomie schlägt ein rotierendes Lagerungssystem vor, um Medikamentenverschwendung zu vermeiden. Derzeit nutzen nur 12 Prozent der deutschen Krankenhäuser (etwa 240 von 1.980) diese Methode, wobei NRW, Bayern und Baden-Württemberg damit begonnen haben, sie einzuführen. Unterdessen haben die städtischen Kliniken Kölns einen zweistöckigen Keller vorgeschlagen, der im Frieden als Parkhaus und im Krisenfall als Notfallzentrum dienen könnte – doch das Projekt bleibt unfinanziert.
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann räumte ein, dass für die Kölner Pläne keine Mittel zur Verfügung stehen, und verwies auf mögliche Bundesmittel aus dem Verteidigungsetat. Mirko Aach, ärztlicher Direktor des Bergmannsheils, betonte die grundsätzlichen Bedenken hinsichtlich der Vorbereitung der Krankenhäuser auf Massenanfälle von Verletzten. Während des Kalten Krieges verfügte NRW noch über Hilfsbunker, die als medizinische Einrichtungen genutzt wurden – doch alle wurden inzwischen geschlossen. Heute gibt es in der Region keine unterirdischen Schutzräume mehr in Krankenhäusern.
Der Bericht unterstreicht den dringenden Bedarf an Infrastruktur und Finanzierung, um die Widerstandsfähigkeit der Krankenhäuser zu stärken. Ohne zusätzliche Unterstützung drohen viele Einrichtungen in einer länger andauernden Krise überlastet zu werden. Behörden prüfen weiterhin Lösungsansätze, doch akute Maßnahmen scheitern bisher an finanziellen Grenzen.






