Lokale Apotheken kämpfen ums Überleben gegen Online-Riesen wie Shop Apotheke
Friedl RädelLokale Apotheken kämpfen ums Überleben gegen Online-Riesen wie Shop Apotheke
Deutsche Apotheken vor Ort geraten unter Druck: Online-Konkurrenz setzt sie immer stärker zu
Durch Promi-Werbung und politische Weichenstellungen haben digitale Anbieter wie Shop Apotheke und Redcare Pharmacy die Oberhand gewonnen – traditionelle Apotheker warnen nun, dass fachkundige Beratung und Nahversorgung auf dem Spiel stehen.
Jahrzehntelang konnten sich lokale Apotheken in Deutschland auf stabile Einnahmen aus dem Medikamentenverkauf verlassen. Doch seit der Systemumstellung im Jahr 2004, als die prozentuale Spanne pro Produkt abgeschafft wurde, kämpfen viele um ihre Existenz. Die Lage hat sich weiter verschärft, seit t online und Spiegel Online über die Bedrohung durch Online-Apotheken berichten und Apotheken mit anderen Spielregeln auf den Markt drängen.
Anders als stationäre Apotheken dürfen digitale Anbieter wie Shop Apotheke oder Redcare Pharmacy die Rabattverbote umgehen und so ihre Preise unterbieten – was Kunden von den Innenstädten wegzieht. Mit der Einführung des E-Rezepts 2024 wurde der Vorsprung der Online-Konkurrenz noch größer: Bestellungen sind seitdem noch einfacher geworden.
Jan und Janet Olgemöller, Inhaber der Wasserturm-Apotheke in Essen, haben miterlebt, wie die Zahl der Apotheken in ihrem Stadtteil auf nur noch drei geschrumpft ist. Sie betonen, dass Medikamente mehr brauchen als bloße Abgabe – nämlich individuelle Beratung. Um mithalten zu können, hat ihre Familienapotheke das Angebot erweitert: Impfungen, Blutdruckmessungen und sogar eine eigene App sollen die Kunden binden. Doch sie geben zu: Irgendwann könnte die Automatisierung unvermeidbar werden.
Unterdessen treibt Redcare den Ausbau voran – mit einem neuen, KI-gestützten Logistikzentrum. Das Unternehmen versichert, dass die Modernisierung die Kapazitäten erhöhen, aber keine bestehenden Strukturen ersetzen solle. Doch die aktuelle Werbekampagne mit Quizmaster Günther Jauch sorgt für Aufsehen. Kritiker werfen dem Spot vor, den Niedergang der lokalen Apotheken zu beschleunigen – die ohnehin schon zu den am dünnsten gesäten in Europa zählen.
Apotheker wie die Olgemöllers fürchten, dass ihnen bald nur noch die kompliziertesten Fälle bleiben. Ohne fairere Rahmenbedingungen, warnen sie, könnte die flächendeckende Versorgung ganz verschwinden.
Der Trend zur Apotheke online zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung. Zwar versuchen stationäre Apotheken, sich mit neuen Dienstleistungen anzupassen – doch finanzielle und regulatorische Hürden bleiben bestehen. Ohne Kurskorrektur könnten Deutschlands Innenstädte in den kommenden Jahren noch mehr ihrer verbleibenden Apotheken verlieren.






