Lieferando feuert 1.500 Fahrer – während Länder strengere Arbeitsregeln fordern
Ivan SchachtLieferando feuert 1.500 Fahrer – während Länder strengere Arbeitsregeln fordern
Deutschlands Essenslieferbranche steht vor tiefgreifenden Umbrüchen, da die Bundesländer auf strengere Arbeitsregeln drängen. Die Arbeits- und Sozialministerkonferenz (ASMK) hat einen Antrag unterstützt, der Unternehmen verpflichtet, Lieferando-Fahrer direkt anzustellen. Gleichzeitig baut Lieferando 1.500 Stellen ab und setzt stattdessen auf selbstständige Fahrerkräfte über Drittfirmen.
Der Beschluss der ASMK folgt auf anhaltende Kritik an prekären Arbeitsbedingungen in der Branche. Karl-Josef Laumann, Arbeitsminister von Nordrhein-Westfalen, verwies auf die unsicheren Verhältnisse in der Gig-Economy als zentrales Problem. Die Länderminister fordern die Bundesregierung nun auf, Leiharbeit in der Essenslieferung komplett zu verbieten.
Berlins Arbeitssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) unterstützte streikende Lieferfahrer und bezeichnete die ASMK-Resolution als „wichtigen Schritt“. Bundesarbeitsministerin Barbara Bas (SPD) hat sich jedoch noch nicht auf eine verpflichtende Direktanstellung bis 2026 festlegen wollen. Ihr Ministerium setzt stattdessen auf Verbesserungen im Rahmen des bestehenden Arbeitsrechts – statt auf eine Umwandlung der Beschäftigungsverhältnisse.
Parallel dazu reduziert Lieferando seine Belegschaft um 1.500 angestellte Lieferando-Fahrer und ersetzt sie durch selbstständige Subunternehmer. Der Schritt fällt in eine Phase, in der Deutschland die EU-Plattformarbeitsrichtlinie umsetzen will, die schärfere Regeln für Gig-Arbeiter bringen könnte.
Sollte der Vorstoß der ASMK für Direktanstellungen umgesetzt werden, stünde die Branche vor einem radikalen Wandel: Unternehmen müssten Lieferando-Fahrer als Festangestellte beschäftigen – und nicht als freiberufliche Subunternehmer. Die endgültige Entscheidung der Bundesregierung wird zeigen, wie sich die Branche in den kommenden Jahren entwickelt.






