Jacques Tilly provoziert mit Putin-Satire – trotz russischer Strafdrohungen im Karneval 2025
Kunigunde SegebahnFeierwütige, zieht warm an! An Rosenmontag regnet es nicht nur Süßes - Jacques Tilly provoziert mit Putin-Satire – trotz russischer Strafdrohungen im Karneval 2025
Karneval in Deutschland erreicht diese Woche seinen Höhepunkt – trotz Schnee und Regen
Die deutsche Karnevalssaison gipfelt in dieser Woche in den Rosenmontagsfeiern. Trotz Schnee- und Regenvorhersagen werden sich die Menschenmassen wie gewohnt zu Umzügen und satirischen Wagen versammeln. Eine der meistdiskutierten Figuren in diesem Jahr ist Jacques Tilly, der provokanteste Karnevalskünstler des Landes, dessen neuestes Werk sich gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin richtet – mitten in einem laufenden Rechtsstreit.
Jacques Tilly ist seit langem für seine scharfe politische Satire bekannt, und dieses Jahr macht er keine Ausnahme. Sein neuer Motivwagen, der beim Düsseldorfer Umzug zu sehen sein wird, nimmt Putin erneut aufs Korn. Die russische Regierung hat mit juristischen Schritten reagiert und wirft Tilly vor, staatliche Institutionen – darunter Putin und die Armee – verunglimpft zu haben. Ein Strafverfahren in Moskau wurde bereits mehrfach vertagt, doch dem Designer drohen bei einer Verurteilung Geldstrafen oder sogar bis zu zehn Jahre Haft. Russland hat ihn zudem auf eine internationale Fahndungsliste gesetzt – doch Tilly zeigt sich ungebrochen.
Der Konflikt hält ihn nicht davon ab, Grenzen auszutesten. Seine früheren Werke, von denen einige online zu finden sind, sorgten oft für Kontroversen. Diesmal hat sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) solidarisch gezeigt und die russischen Verfahren als Angriff auf die Meinungsfreiheit verurteilt. Er rief dazu auf, Tilly zu unterstützen.
Für viele ist der Karneval eine geliebte Tradition. Die Autorin dieses Textes wuchs im Münsterland auf, einer Region mit zahlreichen kleinen Karnevalshochburgen, in denen Grußformeln wie 'Festo' und 'DeUnDa' gang und gäbe sind. Sie erinnert sich an den Besuch von Büttenabenden – satirischen Bühnenprogrammen – und Rosenmontagsumzügen, auch wenn die Faszination mit der Zeit nachließ. Vielleicht könnte ein kürzlich verfasster 'Liebesbrief' einer Kollegin an den Karneval sogar die überzeugen, die dem Trubel bisher skeptisch gegenüberstanden.
In diesem Jahr wird die Autorin die Feiern jedoch komplett verpassen. Eine Dienstreise fällt mit den Festtagen zusammen, sodass sie die Umzüge nur aus der Ferne verfolgen kann – bei Regen oder Sonnenschein.
Der Rosenmontagszug wird wie geplant stattfinden, und Tillys neuer Wagen wird besonders im Fokus stehen. Trotz der juristischen Drohungen und des schlechten Wetters zeigen Veranstalter und Teilnehmer keine Anzeichen von Rückzug. Für viele bleibt die Veranstaltung ein trotziges Fest der Meinungsfreiheit – und eine lange Tradition, die sich nicht so leicht zum Schweigen bringen lässt.






