19 December 2025, 18:42

Ikon der Schwulenbewegung - Rosa von Praunheim verstorben

Eine Gruppe von Menschen steht zusammen in der Mitte des Bildes.

Ikon der Schwulenbewegung - Rosa von Praunheim verstorben - Ikon der Schwulenbewegung - Rosa von Praunheim verstorben

Ikone der Schwulenbewegung – Rosa von Praunheim stirbt mit 83 Jahren

Rosa von Praunheim, bahnbrechender Filmemacher und LGBTQ+-Aktivist, ist im Alter von 83 Jahren verstorben. Nur wenige Tage zuvor hatte er seinen langjährigen Lebenspartner Oliver Sechting geheiratet. Mit seinem Werk prägte von Praunheim das queere Kino und inspirierte Generationen von Aktivist:innen in Deutschland und weltweit.

Geboren in Riga, wurde von Praunheim zu einer der einflussreichsten Stimmen der deutschen Schwulenbewegung. Sein Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1971) löste Proteste aus und gab dem modernen Kampf für lesbische und schwule Rechte entscheidende Impulse. Die schonungslose Gesellschaftskritik des Films führte auch zur Gründung von Initiativen wie dem HIB in Ost-Berlin.

Zeitlebens blieb er eine provokante Figur. 1991, auf dem Höhepunkt der AIDS-Krise, outete er die Prominenten Alfred Biolek und Hape Kerkeling live in der RTL-Sendung „Der heiße Stuhl“. Damit wollte er Stigmatisierung entgegentreten und Sichtbarkeit schaffen – in einer Zeit, in der Angst und Falschinformationen die Debatte prägten. Sein Engagement erstreckte sich auch auf Aufklärungskampagnen zu safer sex, die nach Einschätzung von Expert:innen unzählige Leben retteten.

Von Praunheims Filme brachen immer wieder Tabus. Werke wie „Das Bett“ erkundeten Intimität und Begehren, während „Rex Gildo: Der letzte Tanz“ und sein jüngster Film „Satanische Sau“ persönliche und politische Themen verhandelten. Zudem unterstützte er früh queere Räume in Berlin, sicherte die ersten Räumlichkeiten für das SchwuZ und setzte sich für die Finanzierung der Beratungsstelle Mann-O-Meter ein.

Auch im Privaten war seine Intensität legendär. Mit durchdringendem Blick und unerbittlichen Fragen führte er Gespräche mit derselben Furchtlosigkeit, die sein künstlerisches Schaffen prägte. Anfang dieses Monats heiratete er Sechting in einer stillen Zeremonie – ein persönlicher Meilenstein nach Jahrzehnten gemeinsamer Wege.

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Rosa von Praunheim hinterlässt ein Erbe aus mutigem Aktivismus und wegweisendem Kino. Seine Filme und öffentlichen Interventionen veränderten die deutsche LGBTQ+-Landschaft – von den Protesten der 1970er-Jahre über die AIDS-Krise bis heute. Der Teddy Award, den er in diesem Jahr auf der Berlinale für „Satanische Sau“ erhielt, zählt zu den letzten Ehrungen eines Lebens, das Normen herausforderte.