11 January 2026, 10:55

Glasfaser-Streit in Deutschland: Warum die Kupfer-Abschaltung die Branche spaltet

Eine Straßenszene mit Verkehrspfählen, Ampeln, Straßenlaternen, Gebäuden und Himmel.

Glasfaser-Streit in Deutschland: Warum die Kupfer-Abschaltung die Branche spaltet

Deutschlands Vorstoß, alte Kupfernetze durch Glasfaser-Internet zu ersetzen, hat eine erbitterte Kontroverse ausgelöst. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hat kürzlich Maßnahmen vorgeschlagen, um den Übergang zu beschleunigen – doch die Branche bleibt tief gespalten, wenn es um das Wie und Wann der Abschaltung der veralteten Infrastruktur geht.

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Im Zentrum der Debatte steht der Widerstand der Deutschen Telekom gegen verbindliche Fristen, während Wettbewerber und Verbände schnelleres Handeln und schärfere regulatorische Eingriffe fordern.

Der BMDV-Plan zielt darauf ab, Deutschlands Umstieg auf Glasfaseranschlüsse bis in die Wohnung (FTTH) zu beschleunigen – ein milliardenschweres Infrastrukturprojekt, das sich über Jahrzehnte erstrecken wird. Doch der Vorschlag hat die Gegensätze zwischen der Telekom und ihren Konkurrenten schonungslos offenbart.

Branchenverbände wie Breko und BDEW pochen auf Sonderkündigungsrechte, die es Wiederverkäufern ermöglichen sollen, Kunden schneller zu alternativen Glasfaseranbietern zu wechseln. Zudem fordern sie ein „universelles Initiativrecht“ – eine Regelung, die es Wettbewerbern oder der Bundesnetzagentur erlauben würde, die Abschaltung von Kupferleitungen einzuleiten, sobald die Glasfaserabdeckung ein bestimmtes Niveau erreicht, selbst wenn die Telekom widerspricht. Unterstützt wird der BMDV-Vorstoß auch vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der bisherige Regulierungsbemühungen jedoch als unzureichend kritisiert. Die Telekom kontert scharf: Das bestehende „Kupfer“-Netz sei längst ein hybrides Glasfasernetz, das Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s ermögliche. Erzwungene Abschaltungen verletzten dem Unternehmen zufolge das deutsche Verfassungsrecht und EU-Vorgaben; wirtschaftlich seien sie „irrationale“. Zudem warnt die Telekom, eine zu frühe Abschaffung von VDSL könnte Kunden auf die Koaxialkabel von Vodafone zwingen – Systeme, die sie als veraltet und fünfmal weniger energieeffizient als FTTH bezeichnet.

Andere Stimmen mahnen zur Vorsicht. Der DIHK, die Spitzenorganisation der deutschen Wirtschaft, lehnt überstürzte Entscheidungen ab und warnt, dass voreilige Kupfer-Abschaltungen ohne zuverlässige Alternativen die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft gefährden könnten. Der Wohnungswirtschaftsverband GdW befürwortet zwar den Glasfaserausbau, fordert aber Preiskontrollen und eine Mindestfrist von 24 Monaten vor jeder Stilllegung.

Hinter dem Streit steht ein grundsätzlicher Machtkampf. Kleinere Anbieter und Teile der Opposition – insbesondere von FDP und Grünen – fürchten, die Telekom könnte den Migrationsprozess dominieren und so den Wettbewerb ersticken. Ihr vorgeschlagenes „universelles Initiativrecht“ würde es jedem Netzbetreiber – nicht nur der Telekom – ermöglichen, in definierten Gebieten die Kupfer-Abschaltung einzuleiten.

Die Auseinanderetzung bringt Deutschlands Glasfaserausbau an einen Scheideweg. Während die Telekom auf eine marktgesteuerte Lösung pocht, drängen Wettbewerber und Regulierer auf strikte Zeitpläne und geteilte Kontrolle. Ohne Einigung könnten Verzögerungen die digitale Modernisierung des Landes bremsen – und Haushalte wie Unternehmen noch Jahre auf veraltete Infrastruktur angewiesen lassen.

Aktuell steht der BMDV-Vorschlag weiter in der Kritik, ohne dass sich ein klarer Weg abzeichnet, den Konflikt zwischen wirtschaftlicher Vorsicht, Wettbewerbsgerechtigkeit und technologischem Fortschritt zu lösen.