19 December 2025, 16:57

Die Wahrheit

Eine Gruppe von Menschen mit einem Mann, der in ein Mikrofon singt, in der Mitte, mit Lichtern im Hintergrund.

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Alljährlich in Bayern: Das Gedicht „Heilige Nacht“ des noch immer beliebten Antisemiten Ludwig Thoma ist vor Weihnachten allgegenwärtig

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit bringt Enrico de Parutas „Heilige Nacht“-Aufführung Ludwig Thomas Gedicht auf die Bühnen in München, Ingolstadt und Regensburg. Die Inszenierung ist seit über 25 Jahren ein fester Bestandteil der vorweihnachtlichen Tradition. Doch der Dichter des Gedichts, Ludwig Thoma, bleibt eine umstrittene Figur – nicht zuletzt wegen seiner nachgewiesenen antisemitischen Schriften und Reden.

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In „Heilige Nacht“ erzählt Thoma die Geschichte von Josef und Maria, die in Bethlehem verzweifelt eine Herberge suchen. Zeilen wie „Im Wald is so staad / Alle Weg san vawaht / Alle Weg san vaschniebn / Is koa Steigl net bliebn“ schildern ihre vergebliche Suche nach einem Obdach. Trotz seiner Beliebtheit ist das Gedicht Teil von Thomas umstrittenem Erbe, zu dem auch antisemitische Artikel in den „Miesbacher Anzeiger“ zählen.

In ganz Bayern tragen Straßen und Schulen seinen Namen – was immer wieder zu Debatten führt. In einigen Gemeinden setzen sich Anwohner und Initiativen für eine Umbenennung ein und verweisen auf seine hetzerische Vergangenheit. Doch die meisten dieser Vorstöße scheitern oder werden abgelehnt. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) lehnte eine Umbenennung einer nach Thoma benannten Straße kategorisch ab. Sein Standpunkt – „Solange ich Oberbürgermeister bin, wird das nicht passieren“ – steht exemplarisch für den Widerstand gegen solche Initiativen. Zwar haben einige Kommunen Thomas Namen aus dem öffentlichen Raum entfernt, doch die meisten Entscheidungen hängen von lokaler Politik und Stimmung ab.

Die jährlichen Rezitationen der „Heiligen Nacht“ bleiben eine geliebte Tradition, doch die Auseinandersetzung mit Thomas Vermächtnis geht weiter. Einige Gemeinden distanzieren sich zunehmend von seinem Namen, andere halten am Status quo fest. Letztlich hängt der Ausgang dieser Debatte von den Kommunalparlamenten und der sich wandelnden öffentlichen Meinung ab.