Deutsche Unternehmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität
Friedl RädelDeutsche Unternehmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität
Eine neue Studie zeigt: Die meisten deutschen Unternehmen sehen digitale Souveränität als Priorität – doch nur wenige ergreifen konkrete Maßnahmen. Der Digitale Souveränitätsindex (DSI), veröffentlicht von Adesso und dem Handelsblatt Research Institute, kommt zu dem Ergebnis, dass 92 Prozent der Unternehmen das Thema für wichtig halten. Dennoch hat nur ein kleiner Teil klare Strategien entwickelt oder die Verantwortung auf höchster Ebene verankert.
Die Umfrage offenbart eine Lücke zwischen Bewusstsein und Umsetzung. Zwar erkennen fast alle Unternehmen die Bedeutung digitaler Souveränität an, doch lediglich 21 Prozent verfügen über eine eigenständige Strategie dazu. Noch weniger – nur 13 Prozent – binden das Thema in ihre übergreifende Unternehmensplanung ein. In den meisten Fällen bleibt die Thematik den IT-Abteilungen überlassen, wobei sich 46 Prozent auf Cloud-Dienste und Sicherheit beschränken.
Verantwortung trägt selten die Führungsetage. Nur 25 Prozent der Unternehmen beziehen ihren Vorstand in Entscheidungen zur digitalen Souveränität ein. Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, warnte, dass viele Unternehmen deren strategische Bedeutung nicht erfassen. Stattdessen werde sie als technisches Problem behandelt und nicht als zentrale unternehmerische Herausforderung.
Die Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern bleibt hoch, insbesondere bei kritischen Technologien wie Cloud Computing, Software und KI. Die Studie ergab zudem, dass 80 Prozent der Unternehmen für souveräne Lösungen einen Aufpreis zahlen würden – im Schnitt 17 Prozent mehr. Derzeit liegt der durchschnittliche Reifegrad digitaler Souveränität in Deutschland bei 65,8 Prozent, deutlich unter den 77,8 Prozent, die Unternehmen als Idealwert ansehen.
Die Ergebnisse deuten auf eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit hin. Zwar erkennen die Unternehmen den Wert digitaler Souveränität an, doch scheitern sie daran, sie in ihren Geschäftsabläufen zu verankern. Da die meisten auf externe Anbieter setzen und nur wenige die Unternehmensführung einbinden, kommt der Fortschritt nur langsam voran. Die Bereitschaft, für souveräne Lösungen mehr zu zahlen, signalisiert zwar Nachfrage – bei der strategischen Planung hinkt man jedoch hinterher.






