02 February 2026, 22:54

Deutsche Apotheken kämpfen um ihr Überleben – Reformen bleiben unzureichend

Eine Apotheke namens "Die Generics Apotheke" ist von Gebäuden, Strommasten, Kabeln, Werbetafeln, Topfpflanzen und Kraftfahrzeugen auf der Straße umgeben und hat einen klaren blauen Himmel.

Deutsche Apotheken kämpfen um ihr Überleben – Reformen bleiben unzureichend

Apotheken in Deutschland stehen unter wachsendem Finanzdruck

Trotz eines leichten Anstiegs ihrer Zahl im vergangenen Jahr kämpfen lokale Apotheken in Deutschland mit zunehmenden finanziellen Belastungen. Ein Reformentwurf der Ampelkoalition geht nicht auf zentrale Forderungen der Apotheker ein – viele befürchten nun um die Zukunft der wohnortnahen Gesundheitsversorgung. Allein im Bielefelder Stadtteil Schildesche ist die Zahl der Apotheken innerhalb eines Jahrzehnts drastisch gesunken: von vier im Jahr 2012 auf heute nur noch eine.

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Die geplante Apothekenreform sieht keine Gebührenerhöhungen vor, wie sie die Branche seit Langem fordert. Stattdessen wird das Thema lediglich auf unbestimmte Zeit vertagt. Die staatlich festgelegten Vergütungen für Apotheken sind in den letzten 20 Jahren um gerade einmal 3,1 Prozent gestiegen, während die Betriebs- und Personalkosten um 65 Prozent explodiert sind. Diese Schere bedroht mittlerweile ein Drittel aller deutschen Apotheken – auch wenn die offiziellen Zahlen für 2023 keine Insolvenz-bedingten Schließungen verzeichnen und sogar ein leichter Nettozuwachs von rund 100 Apotheken bundesweit zu verzeichnen ist.

Kritik gibt es auch an der fehlenden gesetzlichen Absicherung der Festpreisregelung für Medikamente, die Verbrauchern Planungssicherheit bietet und das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem stabilisiert. Besonders umstritten ist zudem die mögliche Abschaffung der Präsenzpflicht für Apotheker in den Filialen. Gegner warnen, dass dies die Beratungsqualität für Patienten verschlechtern könnte.

Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke und Vorsitzender der Bielefelder Bezirksgruppe im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), hat kürzlich mit Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer über die drängenden Probleme gesprochen. Die juristisch versierte Bauer, die sich auf Arzneimittelrecht spezialisiert hat, hält ein erneutes Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten für durchsetzbar. Über den Deutschen Städtetag will sie sich auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene für bessere Rahmenbedingungen für Apotheken einsetzen.

Lokale Apotheken gelten als unverzichtbarer Bestandteil der Daseinsvorsorge – sie sichern die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten und fachkundiger Beratung. Doch der aktuelle Reformvorschlag lässt zentrale Fragen offen, von der Gebührenstruktur bis zu Personalvorgaben. Angesichts steigender Kosten und fehlender Entlastung bleibt das Überleben kleinerer Apotheken ungewiss. Gleichzeitig kämpfen Kommunalpolitiker und Verbandsvertreter weiter für stärkere Schutzmaßnahmen, um die wohnortnahe Arzneimittelversorgung zu erhalten.