Berliner Performance entlarvt Mythen der Krisendarsteller mit beißendem Witz
Friedl RädelBerliner Performance entlarvt Mythen der Krisendarsteller mit beißendem Witz
Eine mutige neue Performance in Berlin stellt sich rechtsextremen Verschwörungstheorien entgegen
"We Crisis Actors: Lookalike in Wut!" des Künstlerkollektivs andcompany&Co. seziert mit theatralischen Mitteln den gefährlichen Mythos der sogenannten "Krisendarsteller". Die Inszenierung verbindet interaktives Rollenspiel, Live-Video-Tricks und beißenden Spott, um aufzudecken, wie sich Falschinformationen verbreiten.
Der Begriff "Krisendarsteller" stammt aus rechtsextremen Verschwörungszirkeln der USA. Er behauptet fälschlich, dass Schauspieler bezahlt würden, um Naturkatastrophen vorzutäuschen oder reale Tragödien zu manipulieren. Während der Aufführung thematisiert Alexander Karschnia den Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas High School 2018, bei dem Überlebende von Online-Trollen grundlos als "Krisendarsteller" diffamiert wurden.
Doch die Performance begnügt sich nicht mit Kritik – sie zieht das Publikum hinein. Die Darsteller inszenieren fingierte Krisen und verwickeln die Zuschauer in interaktive Szenen. Gefälschte Nachrichtenticker, Doppelgänger von Verschwörungsfiguren und choreografierte Stunts zeigen, wie leicht sich Realität verdrehen lässt. Selbst die Mondlandung Neil Armstrongs wird auf der Bühne infrage gestellt und zwingt die Zuschauer, die eigenen Zweifel zu hinterfragen.
Den emotionalen Höhepunkt erreicht die Aufführung mit einem letzten Bild: Berliner Künstler, zugeschaltet per Telefon, singen Freddie Mercurys "The Show Must Go On". Ihre Stimmen füllen den Raum, während die Songzeilen auf eine riesige Leinwand projiziert werden. Als der letzte Ton verhallt, erhebt sich das Publikum zu stehenden Ovationen.
Seit der Premiere 2023 präsentiert sich das Stück als "theatralisches Spiegelkabinett". Es reflektiert die heutigen, sich überlagernden Krisen – nukleare Bedrohungen, Klimakollaps, systemische Zusammenbrüche – und fragt, ob das Proben des Undenkbaren der Gesellschaft helfen könnte, echte Katastrophen zu bewältigen.
Die Inszenierung hinterlässt Spuren, indem sie die Mechanismen des Verschwörungsdenkens entlarvt. Durch Satire und Publikumsteilhabe zwingt sie zur Auseinandersetzung mit der Frage, wie sich Falschinformationen in den Köpfen festsetzen. Die stehenden Ovationen deuten darauf hin, dass die Botschaft angekommen ist: Kunst kann selbst die hartnäckigsten Lügen herausfordern.






