Bergkamen setzt auf Gas: Wie ein neues Kraftwerk die Kohle-Ära beendet
Angelo ReuterBergkamen setzt auf Gas: Wie ein neues Kraftwerk die Kohle-Ära beendet
In Bergkamen soll ein neues Gaskraftwerk das bestehende Kohlekraftwerk ersetzen – ein weiterer Schritt in Deutschlands Energiewende. Das für das Projekt verantwortliche Unternehmen Steag-Iqony hat bereits erhebliche Fortschritte in der Planung erzielt: Umweltprüfungen laufen, und wichtige Komponenten sind bereits reserviert. Der Wechsel erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung kurz davorsteht, die endgültigen Richtlinien für die Ausschreibung neuer Kraftwerksprojekte zu veröffentlichen. Mehrere Unternehmen konkurrieren dabei um einen Anteil an der geförderten Kapazität.
Das geplante Gaskraftwerk in Bergkamen entsteht in direkter Nachbarschaft zum noch voll betriebenen Kohlekraftwerk, dessen Abschaltung bereits feststeht. Anders als die bestehende Anlage wird das neue Kraftwerk zunächst mit Erdgas betrieben, ist jedoch so konzipiert, dass es später auf "grünen" Wasserstoff umgestellt werden kann. Steag-Iqony hat bereits Gespräche mit lokalen Behörden geführt und essenzielle Bauteile gesichert – damit zählt das Projekt zu den am weitesten fortgeschrittenen in der Region.
Nordrhein-Westfalen, das als Teil des "netztechnischen Südens" Deutschlands eingestuft wird, könnte von einem sogenannten "Süd-Bonus" bei der Vergabe profitieren. Diese Regelung begünstigt Standorte in Süddeutschland gegenüber denen in Nord- und Ostdeutschland und erhöht die Chancen der Region, bis zu fünf Gigawatt der insgesamt 12 Gigawatt geförderten Kapazität zu erhalten. Der hohe Energiebedarf des Bundeslandes stärkt seine Position zusätzlich. Auch andere große Energieunternehmen wie RWE, Uniper und Trianel bereiten derzeit Angebote für neue Kraftwerksprojekte vor. Allerdings warten alle noch darauf, dass Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche die endgültigen Vergabekriterien festlegt.
Unterdessen hat sich Thorsten Koch, der Kraftwerksleiter von Steag-Iqony, trotz der bevorstehenden Stilllegung seiner Kohleanlage hinter die Energiewende gestellt. Das Unternehmen betreibt bereits seit Oktober 2022 ein modernes Gaskraftwerk mit 657 Megawatt Leistung in Herne, das auf klimaneutrale Stromerzeugung ausgelegt ist – ein Beleg für die Erfahrung von Steag-Iqony im Übergang von Kohle zu saubereren Energieträgern.
Das Projekt in Bergkamen könnte zu einem zentralen Baustein der deutschen Energiewende werden – vorausgesetzt, es erhält im Rahmen der anstehenden Bundesrichtlinien die notwendige Genehmigung. Mit seinem flexiblen Design und der Option auf Wasserstoffnutzung entspricht die Anlage den langfristigen Klimazielen. Die endgültige Entscheidung über die Standortvergabe wird zeigen, ob Nordrhein-Westfalen einen Teil der neuen Kapazitäten sichern kann.






